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Gepflegtes Business-Deutsch

Committest du noch oder innovierst du schon?

© Benjamin Thorn / PIXELIO / www.pixelio.deWar eine eloquente Sprache früher Akademikern und Unternehmensberatern vorbehalten, so hält sie heutzutage unaufhaltsam Einzug in unser aller Arbeitsleben. Wer heute noch Karriere machen möchte, muss in der Lage sein, sich allgemein verständlich und mit einem hohen Maß an Sprachgefühl auszudrücken.

So wird in Deutschland bereits in einem Bewerbungsgespräch auf die kommunikativen Fähigkeiten des Bewerbers ganz besonders geachtet, um die berufliche Eignung möglichst frühzeitig abschätzen zu können.

Unserer Redaktion liegt nun die Abschrift eines Musterbewerbungsgesprächs vor, mit dem sich professionelle Bewerber vorbereiten können. Das Dokument wurde uns von einem unserer Kontaktmänner innerhalb der Arbeitgeberverbände zugespielt. Ursprünglich wurden Personalreferenten mit diesem Musterbewerbungsgespräch geschult, um in Job-Interviews die sprachliche Intelligenz der Bewerber möglichst treffend einschätzen zu können. Diejenigen Begrifflichkeiten, von denen sich besonders gut auf den Geisteszustand schließen lässt, haben wir Ihnen in Kursivschrift kenntlich gemacht.

Personalchef: Guten Tag Herr Schrotmann. Da wir derzeit auf allen Ebenen innovieren, führen wir heute gleich für mehrere Vakanzen Job-Interviews durch – bitte schlauen Sie mich noch einmal kurz auf: Sind Sie wegen der Stelle als Lead-Analyst of Supply-Chain-Management bei uns oder haben Sie sich auf die Herausforderung High-Professionals Talent-Scout in unserem Human-Resources & People-Development Department beworben?

Schrotmann: Nun, ich komme ja eigentlich aus dem HR-Management, war allerdings die letzten drei Jahre als Senior-Assistant of Virtual-Solutions im Sales eines Engineering Global-Players proaktiv.

Personalchef: Das tönt ja schon einmal sehr interessant. Welche To-Do´s gehörten denn im Engineering zuletzt zu Ihren Responsibilities?

Schrotmann: Sie meinen neben dem Key-Account-Management für B2B und B2C? Da hatte ich die verschiedensten Topics und Bulletpoints auf meiner Job-Description und habe darüber hinaus eine Menge eigenes Knowledge kontributiert. Ich war z.B. verantwortlich für Future-Monitoring, Visionary-Purchasing, Frictionless-Communications und Modern Back-Office Infrastructures – um nur mal einige wenige zu nennen. Insofern komme ich durchaus für beide Challenges in Betracht.

Personalchef: Wirklich interessant. Können Sie uns bitte einmal kurz ein Picture von Ihrer persönlichen Ergebnisorientierung und Ihrem Teamwork skizzieren? Sehen Sie sich als klassischer operativer Resulter?

Schrotmann: Nun, meine Projekte waren schon immer hochperformant und lagen stets im Korridor, allerdings hat mein B-People-Team zuletzt oft nicht wie committed delivererd… (winkt ab)

Personalchef: Können Sie das noch etwas genauer ausführen?

Schrotmann: Ich sag’s mal auf gut Deutsch: Neben dem Missing-Leadership – mir war da alles viel zu buttom-up – waren vor allem die Underperformer wenig supportend. Denen fehlte nicht nur ein Helikopterview, die haben auch das Big-Picture nicht gesehen. Vielleicht ist das ja typisch für eine solch old fashioned Corportate-Identity, wie sie da im Engineering commonsense war. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, ich kann da keinen Value mehr adden.

- – - Eine Sekretärin tritt ein und unterbricht das Gespräch – - -

Sekretärin: Sorry Chef, aber da ist ein wichtiger Call von Legal für Sie!

Personalchef: Ich bin gerade out-of-Time, sagen Sie denen, die kriegen in etwa 30 Minuten einen Callback. Haben Sie übrigens schon die Storyline für die morgige Präsentation verchartet? Die brauchen wir asapst!

Sekretärin: Bin dabei, Chef.

- – - Sekretärin geht wieder – - -

Personalchef: (räuspert sich) Das sind natürlich gute Gründe für Ihre Change-Ambitions. Warum aber haben Sie sich gerade bei uns beworben? Es ist ja doch ein Sprung vom Engineering zum Financial-Business-Service.

Schrotmann: Nun, ich hatte in der Presse gelesen, dass Sie einigen Mitarbeitern erst kürzlich Career-Change-Opportunities eingeräumt haben. Und da Sie zeitgleich neue Mitarbeiter suchen, denke ich, dass die Freisetzungen wohl vor allem Ihre Underachiever betreffen und Sie aktuell stärker in Richtung High-Potentials shiften wollen.

Personalchef: Gut auf den Punkt gebracht. Unser Anspruch kongruierte schon lange nicht mehr mit der Performance unserer Humanressourcen. Daher suchen wir jetzt vor allem Overachiever, die kontinuierlich auf einem A-Level performen können. Glauben Sie, das trifft auf Sie zu? Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Schrotmann: Ja, das trifft auf jeden Fall zu! Ich betrachte mich vor allem als interkultureller und ergebnisoffener proaktiv reagierender innovativer Entrepreneur, der als Enabler auf der operativen Ebene schon nachhaltige interdisziplinäre Synergien generieren konnte.

Personalchef: Interessant. Das passt ja ganz genau zu unserem Matching! Zum Abschluss würden wir uns gern noch mit Hilfe einer kleinen Case-Study ein Bild von Ihren Soft-Skills machen. Bitte denken Sie einmal die folgende Situation an: Sie sind der Executive-Change-Manager eines interkulturellen Change-Teams und stehen vor der Herausforderung, für die Stakeholder einen rezidivierenden Shareholder-Value-Cash-Flow nach dem Bottleneck-Prinzip on-the-Line zu implementieren. Seitens der Belegschaft ist mit intermittierenden Pushback-Effekten zu rechnen. Wie gehen Sie vor?

Schrotmann: Nun, zunächst einmal würde ich die relevanten Stakeholder effektiv einbinden, um Synergien zu approachen und das Projekt adäquat aufzugleisen. Danach würde ich sämtliche Issues und Key-Points des Change-Konzepts als Agenda auf dem Flipchart und Whiteboard visualisieren und die verschiedenen Tasks auf einem Paper entsprechend adressieren. Anschließend wird der Content dann als Input in einem Kick-off-Meeting gegenüber dem Change-Team, CEO, CFO, CMO und CRO verargumentiert, um alle ins Boot zu holen und auf einen gemeinsamen Weg hin zu committen. Sobald dann das Go vom CEO vorliegt, installiere ich einen Jour Fix für regelmäßige Feedbacks und dränge auf einen quick Deploy im Sinne des zuvor committeten Contents. Und falls dazu der ein oder andere Allnighter notwendig ist – so what? Wenn wir das Project dann noch mit entsprechenden Tools, Benchmarks und Balanced-Scorecards supporten, sollte es auch auf der Arbeitsebene rasch an Traktion gewinnen. Dann haben wir eine praktische Solution und können sämtliche Challenges zur vollsten Zufriedenheit aller als Win-Win-Situation innerhalb des committeten Zeitfensters zielführend handlen.

Personalchef: Sie sind unser Mann! Bitte lassen Sie uns doch Ihren CV mit Ihren Hard-Facts hier, wir melden uns dann asap wieder bei Ihnen. Im nächsten Schritt können wir dann in einem sich anschließenden Budget- und Zielvereinbarungsgespräch sicher zeitnah ein entsprechendes Agreement finden und alles weitere finalisieren. Hätten Sie eigentlich auch gern Urlaub?

Schrotmann: Ist für mich zwar kein must, wäre aber nice-to-have.

© 2012 Slamek Oswalek – Committest du noch oder innovierst du schon?

Foto: © Benjamin Thorn / PIXELIO

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6 Kommentare zu Committest du noch oder innovierst du schon?

  • Stephan

    lol, genau!
    “interkultureller und ergebnisoffener proaktiv reagierender innovativer Entrepreneur”
    blah blah blah, alles nur heiße luft!

  • Bahnhof

    Ich versteh nur Bahnhof. Gibt es wirklich Menschen die so sprechen??

  • Tom ist frei

    Etwas lang(atmig). Aber real. Wer sich aufblähen muss, hat zu wenig Substanz. Die am meisten quatschen, arbeiten am wenigsten.

  • Mathias

    Musste an ein paar Stellen laut lachen. Bei den ganzen Job-Titeln oder der Selbstbeschreibung. Das schlimme an dieser Satire ist, daß sie den ganzen Quark ja nur gebündelt darstellt. Ich habe zur Zeit im Projektmanagement und mit einigen Externen zu tun, und da ist diese Art zu sprechen an der Tagesordnung! Solange man es nicht allzu ernst nimmt gehts aber ;-)

  • Doch es gibt Leute die so sprechen. Leider gibt es viele Fachausdrücke, die in verschiedenen Disziplinen unterschiedlich besetzt ist. Daher ist es eigentlich besser möglichst einfach zu sprechen um verstanden zu werden und nicht die ganze Zeit aneinander vorbei zu reden. :mrgreen:

  • Christine

    Herrlich! Habs schon im Kollegenkreis weiterverbreitet :razz:

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