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Gottes illegale Methoden

Der Himmel greift ein

Blitz | © Gerd Altmann / PIXELIO / www.pixelio.deUnd Gott sah, dass es gar nicht gut war. „Verdammt!, was treiben die da unten?!“ Gott hatte genug. Gier, Macht, Krieg. Er schaltete frustriert den Monitor aus und wandte sich an seinen Assistenten Luzifer: „Wir müssen sofort ein Meeting organisieren. Ruf mein Sondereinsatzkommando zusammen. Es wird Zeit für einen Rettungsschirm.“

Nach fünfzehn Minuten hatten sich alle wichtigen Personen aus dem gesamten Himmelsreich in Gottes Büro versammelt: Die Heiligen, die Erzengel, die Propheten, die Apostel, Jesus und – Maria, Gottes große Liebe. Sie lächelte Gott zu. Und sogar nach über 2000 Jahren zeigte dieses Lächeln Wirkung. Bei Maria wurde er einfach schwach. Fast hätte er seinen Zorn über die Menschen wieder vergessen. Sie war so bezaubernd und ihre großen…

„Was ist passiert?“, riss der vorlaute Erzengel Gabriel Gott aus dessen Tagträumen. „Die Menschen missachten meine Gebote!“ Allgemeines Gemurmel.„Das wissen wir doch“, raunte die Menge. Gott blickte in desinteressierte Gesichter. In der hinteren Reihe gähnte sogar ein Moralapostel, als hätte Gott erklärt, dass er herausgefunden habe, dass ein Kreis rund ist; drei Heilige spielten Archen versenken und Petrus zappte heimlich durch die Wetterkanäle. „Ich muss unbedingt eine Frauenquote einführen, vielleicht erhalte ich dann endlich kreativere Antworten“, dachte Gott und schielte zu Maria, die wiederum ihren Sohn Jesus im Visier hatte, der gerade seinem besten Freund Mohammed einen schweinischen Witz erzählte.

„Wir müssen etwas unternehmen. Es steht geschrieben: ‘Du sollst keinen Gott haben neben mir’. Und was machen die Menschen? Sie beten wieder Tiere an!“, wetterte Gott. Er blickte in ratlose Gesichter. „Ja, Tiere. Sie tanzen zwar nicht mehr um’s Goldene Kalb, dafür beten sie jetzt einen schwarzen Bullen an, sie fürchten sich vor einem Bären, als wäre er der Leibhaftige, sie lieben den Mammon, was immer das für ein genmanipuliertes Vieh ist, und in Deutschland verehren sie den Dachs.“

Börse | © Cornerstone / PIXELIO / www.pixelio.de„Der Dax“, korrigierte Luzifer, „… ist kein Tier, sondern…“ Weiter kam er nicht, denn Gott unterbrach ihn: „Geld ist den Menschen wichtiger als alles andere auf der Welt. Glaube, Liebe, Hoffnung spielen keine Rolle mehr. Moral findet man nur noch im Duden. Für wirtschaftliche Interessen werden Lebensräume vernichtet, die ich mühevoll erschaffen habe. Da werden Bäume gefällt, damit Flughäfen wachsen können. Die Flughäfen wachsen, damit die Menschen vor dem Lärm und der zerstörten Landschaft fliehen können. Das nennen sie dann Urlaub machen. Und in den Urlaubsländern werden Hotelketten hochgezogen, damit sich die stressgeplagten Flughafenflüchtlinge entspannen können. Und wofür das alles? Ich sag’s euch: Für Geld. Für bunte Papierfetzen und Metallscheiben, genannt Münzen! Dabei kann man das raffgierig gehortete Geld nicht mit in den Himmel nehmen. Für den Eintritt zahlt man bei uns mit einer anderen Währung!“ Applaus.

„Hat jemand eine Idee, wie wir die Menschen dazu bringen, vernünftig zu sein?“ Schweigen. Alle Anwesenden schauten plötzlich intensiv auf den Boden, als hätten sie dort gerade eine unbekannte Insektenart entdeckt.

„Ich könnte den Menschen eine Eiszeit schicken, dann müssen sie die Geldscheine verbrennen, um es schön warm zu haben“, schlug Petrus vor. Allgemeines Stöhnen. Petrus Wettereinlagen nervten. Gott hatte in einem Führungsseminar gelernt, dass man selbst die unsinnigste Idee würdigen soll, aber – verdammt noch mal, für was war er der Allmächtige. „Saublöde Idee, Pete, hat jemand eine bessere?“ „Wir können wieder Plagen auf die Erde schicken“, freute sich Luzifer diabolisch. Gott schüttelte resigniert den Kopf. „Mein Imageberater und die Marketingabteilung haben herausgefunden, dass die Menschen einen lieben Gott bevorzugen. Der rachsüchtige Gott ist nicht mehr zeitgemäß. Er ist so out wie die Karottenhose, Schnurrbärte und Stulpen zusammen.“

Maria | © Rolf Handke / PIXELIO / www.pixelio.deEr wandte sich zu Maria: „Hast du einen Einfall, meine Liebe?“ Maria bekam hektische rote Flecken am Dekolletee. Sie überlegte angestrengt. „Wenn du die Menschen nicht bestrafen willst, wird es wirklich schwierig. Sie hängen an ihrem Geld. Freiwillig geben sie es nicht her. Die Menschen müssten ihre Einstellung ändern, und das setzt eine Bewusstseinsveränderung voraus. Ich weiß auch nicht, wie wir das herbeiführen sollen…“, Maria zögerte. Doch Gott war zufrieden. Jetzt wusste er, was zu tun war. „Danke, Maria, du hast mir sehr geholfen:“ Dann sprach er zu seinem Sondereinsatzkommando:

„Luzifer, hol Dorothea, die Schutzheilige der Gärtner, und Cecilia, die Schutzheilige der Musiker, zu mir. Die anderen können gehen. Vielen Dank, dass ihr so schnell zu diesem Brainstorming gekommen seid. Maria, wir sehen uns später“, Gott zwinkerte der Mutter seines Sohnes zu. Joseph, der das beobachtet hatte, wurde grün vor Eifersucht. Immer dieser Gott, gegen so einen starken Nebenbuhler kam er einfach nicht an.

„Ihr müsst mir helfen“, richtete sich Gott an die vier Auserwählten. „Cecilia, besorg ein Mikrophon, einen Verstärker und große Lautsprecherboxen. Wenn du das alles gefunden hast, such nach Bob und bring ihn hierher.“ Cecilia machte sich auf den Weg.
„Dorothea, wir werden jetzt einige spezielle Kräuter in den Wüsten dieser Welt wachsen lassen. Du als Schutzheilige der Gärtner, musst dafür sorgen, dass diesen Pflanzen nichts geschieht.“ „Von welchen Pflanzen sprichst du?“ Gott flüstere Dorothea etwas ins Ohr. Sie fing an zu kichern. „Das ist ja eine abgefahren Idee. Ich geh gleich rüber zu Shiva und besorg die Samen.“

„Petrus, du musst dafür sorgen, dass die Pflanzen genug Wasser bekommen und schnell wachsen. Wir haben nicht viel Zeit, die Menschen sind dabei, die Erde zu vernichten. – So Luzifer, jetzt bist du an der Reihe. Du musst einen großen Schirm um die Erde spannen.“ „Das ist alles?“ Luzifer fühlte sich falsch eingeschätzt und schmollte.
„Ich erklär dir später, für was der Schirm gut ist!“
„Mir doch egal“, sagte Luzifer und ging nach einem Schirm suchen. Für einen Assistenten war er ganz schön aufmüpfig. Aber was sollte Gott machen? Er mochte seinen gefallenen Engel und glaubte an die Kraft der Resozialisierung.

Dorothea hatte gute Arbeit geleistet. Die Wüsten waren voller Samen, die so sehnlich auf Regentropfen warteten, wie Kinder auf die Sommerferien.
Die Menschen ahnten nichts von Gottes Plan und gingen ihren gewohnten Tätigkeiten nach: lügen, betrügen, klauen, morden, zerstören, sich langweilen und ununterbrochen nörgeln. Petrus schickte die Wolken über die Wüsten und ließ sie regnen. Shivas Saat ging auf. Die Pflanzen wuchsen.

Gott wandte sich wieder an Luzifer. „Luzifer, ich habe eine Aufgabe, die dir gefallen könnte.“ Der gefallene Engel witterte eine Chance. „Sorg dafür, dass es einen weltweiten Börsencrash gibt. Damit können wir die Menschen erst mal ablenken.“ Eifrig setzte Luzifer Gottes Willen um. Manchmal konnte sein Job doch Spaß machen.
Während die Menschen mit ihren Geldsorgen beschäftigt waren, verschwanden die Wüsten unter einem grünen harzigen Blätterdach. „Gutes Kraut, Und wie das riecht“, freute sich Gott über seine Kräutergärten. „Und jetzt?“, fragte Petrus, der immer noch nicht kapierte, was sein Boss vorhatte.
„Jetzt schickst du ein gewaltiges Gewitter über meine Gärten und die Blitze werden die Kräuter entzünden. Alles wird verbrennen, ohne dass die Menschen jemals mitgekriegt haben, dass in der Wüste etwas gewachsen ist, das von den meisten Regierungen für illegal erklärt wird.“ Petrus tat wie ihm geheißen.

Hanf | © Susanne Schmich / PIXELIO / www.pixelio.de„Ich hoffe, du hast den Schirm gut gespannt, damit der Rauch nicht aus der Atmosphäre entkommen kann“, sagte Gott zu Luzifer, der gebannt auf den Monitor blickte. „Was wird jetzt passieren?“ „Die Menschen werden den Rauch einatmen, ob sie wollen oder nicht.“ „Und dann?“ „Schau selbst“, lachte Gott.
Die Rauchschwaden verteilten sich in der Luft. Ein süßlicher Duft stieg auf. Mit jedem Atemzug gelang der göttliche Rauch in die Lungen der Erdbewohner. Beim Erstkontakt fingen einige Lebewesen an zu husten. Doch nach und nach gewöhnten sich die Lungen daran. Die Menschen fingen an zu kichern. Die schlechte Laune verflog wie ein Furz im Winde.

„Bob. Leg los“, befahl Cecilia. Der Musiker schnappte sich das Mikrofon, schüttelte seine Rastazöpfe zum Takt und sang aus voller Kehle: „One Love.“
Auf der Erde umarmten sich fremde Menschen. Keiner dachte mehr an Geld. Der Reggae war einfach zu schön.

„Gott, was hast du getan? Was waren das für Pflanzen?“, fragte Luzifer, der nicht wusste, ob er das Treiben auf der Erde gut oder schlecht finden sollte.
„Ach, das waren doch nur Shivas Spezial-Hanf-Pflanzen. Und jetzt sind die Menschen ein bisschen high und haben plötzlich vergessen, raffgierig zu sein“, erklärte der Allmächtige, „und du weißt, so mag ich sie am liebsten.”
„Gott, deine Wege sind wahrlich unergründlich“, sprach Luzifer und ging in die Küche, um für seinen Chef einen starken Kaffee zu kochen. Denn sie hatten noch einen langen Arbeitstag vor sich.

© 2012 Claudia Rengür – Der Himmel greift ein

Fotos: © Gerd Altmann | © Cornerstone | © Rolf Handke | © Susanne Schmich / PIXELIO

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