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Beruf und Karriere

Die Beförderung - Teil 2/3

© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO / www.pixelio.deWas bisher geschah…

Das Telefon schellt, als ich gerade die Türe abschließe. Also wieder aufgeschlossen und hastig zurück in den Flur gehumpelt. Am anderen Ende der Leitung ist meine Mutter: Sie erzählt mir, dass der Vater der Schwiegertochter einer Nachbarin einen Schlaganfall hatte. Ich versuche sie damit abzuwimmeln, dass ich jetzt keine Zeit habe und rasch zur Arbeit muss, weil ich befördert werde. Ernte dafür ein: „Du bist ein undankbares Kind!“

Humple endlich aus der Wohnung. Wo ist mein Auto? Ich weiß nicht mehr, wo ich es geparkt habe. Ah, da ist es ja! Humple hin, steige ein, starte den Motor, schnalle mich an, parke aus, fahre los und bemerke komische Fahrgeräusche und ein ungewohntes Fahrverhalten. Halte wieder an, schnalle mich ab, schalte den Motor aus, steige aus dem Wagen und stelle fest, dass ich vorne links einen Platten habe. Ausgerechnet heute! Vor Wut trete ich ein, zwei mal gegen den kaputten Reifen – unbedachterweise mit meinem angeschwollenen Fuß. Sehe wieder Sterne. Humple mit wutverzerrtem Gesicht zum Kofferraum, um den Ersatzreifen heraus zu kramen. Der ist aber nicht da und ich erinnere mich vage, dass ich ihn vor etwa einem Jahr für eine Woche einem Freund ausgeliehen hatte.

Was nun? Die U-Bahn? Ein Taxi? Trampen? Auf der anderen Straßenseite hält gerade ein Taxi vor einer Sparkassenfiliale. Ich humple hinüber und weise den Fahrer an, kurz zu warten, betrete dann die Bank, ziehe mir rasch am Geldautomaten drei Hunderter, humple zurück zum Taxi und spüre beim Öffnen der Beifahrertür, dass ich mit dem gesunden Fuß in etwas Weiches trete. Der Taxifahrer sieht meinen bis über die Sohle mit Hundescheiße verschmierten Schuh, zuckt mit den Achseln, wirft die Tür zu und rast davon.

© Daniel Rennen/ PIXELIO / www.pixelio.deArschloch! Dann meine Rettung: Schräg gegenüber eine Tankstelle. Die haben doch bestimmt einen Ersatzreifen für meinen Allerweltswagen! Ich humple ohne weitere Zwischenfälle zur Tankstelle hinüber, säubere notdürftig an einer Zapfsäule meinen Schuh mit Papier und erstehe für ein Heidengeld im Innern einen Ersatzreifen. Der Angestellte zieht einen meiner Hunderter durch den Geldscheinprüfer und ist sich dann sicher, dass das eine Fälschung ist!

Also ruft er – trotz meiner Beteuerungen, dass das ganz frisches Bankautomatengeld von schräg gegenüber ist und daher unmöglich Falschgeld sein kann – die Polizei. Doch ich habe für diesen Schwachsinn keine Zeit. Ich muss zu meiner Beförderung! Ich sage dem Angestellten, dass wir das später klären, lasse ihm auf sein Drängen hin meinen Personalausweis da und rolle den Ersatzreifen, hastig humpelnd, zu meinem Wagen. Nachdem ich das Prinzip des Wagenhebers endlich verstanden habe, wechsle ich den Reifen und bin wieder on the Road.

Nassgeschwitzt und mit stark beschleunigtem Puls rase ich wutentbrannt in Richtung meiner Firma. Bin inzwischen restlos bedient. Das Handy schellt. Ich krame es umständlich aus meiner Hosentasche und verliere kurz die Spur, lenke aber erfolgreich gegen und gehe schließlich ran: Am anderen Ende der Leitung ist Peter Lange, Gewinnjuror…
Ich pfeffere das Handy ins hintere Hintere meines Wagens, als ich am rechten Fahrbahnrand das kurze Aufblitzen bemerke. Schaue auf mein Tacho. Scheiße – an die 90! Das kostet! Tröste mich damit, so immerhin am Tage meiner Beförderung nur eine gute Stunde zu spät zur Arbeit zu kommen.

Parke den Wagen im Parkverbot, um diese Zeit gibt es keine anderen Parkplätze mehr. Hetze – nach wie vor humpelnd – in das Bürogebäude. Dann, der Fahrstuhl wird gerade gewartet, durchs Treppenhaus bis in den 7. Stock hinauf! Komme geistig wie körperlich völlig zerfranst und in Schweiß gebadet in mein Büro. Die Arbeitskollegen glotzen doof: „Der Alte hat schon nach dir gefragt. Du sollst in sein Büro kommen.“, sagt einer von ihnen.

Das Telefon schellt. Meine Schuhe habe ich inzwischen ausgezogen – der eine schmerzt auf meinem monströs geschwollenen Fuß und der andere stinkt bestialisch nach Scheiße.
Ich hebe ab. Am anderen Ende der Leitung ist meine Mutter: Sie erzählt mir, dass der Vater der Schwiegertochter der Nachbarin nun aus dem Gröbsten raus sei… Ich versuche sie damit abzuwimmeln, dass ich keine Zeit habe und wegen der Beförderung rasch zu meinem Chef rein muss. Ernte dafür ein: „Du bist eine große Enttäuschung für deine Mutter!“ und schalte den AB ein.

Dann stehe ich auf und humple den langen Gang zum Büro des Chefs. Ich bin gespannt, wie viel ich künftig mehr verdienen werde…

© 2012 Slamek Oswalek – Die Beförderung

Foto: © Stephanie Hofschlaeger | © Daniel Rennen / PIXELIO

Zum letzten Teil…


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