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Alpträume

Die Fliege

Fliege | © Andrea Kusajda / www.pixelio.deIch habe seit einigen Monaten einen wiederkehrenden Traum und weiß nicht, was er bedeuten soll. In diesem Traum bin ich eine Fliege. Ich habe zwei Flügel, sechs Beine und einen kleinen schwarzen Fliegenkörper, auf dem vorne mein Gesicht sitzt. Das kann ich im Traum im Spiegel sehen, während ich im Schlafzimmer herum fliege.

Im Spiegel sehe ich auch das Licht der Nachttischlampe, die am Kopfende des Bettes, gleich neben meiner schlafenden Freundin Heike steht und mich wie magisch anzieht. Dieses strahlende, wunderbare, göttliche Leuchten – man kann gar nicht anders, als sich sofort hinein zu stürzen!

Und so drehe ich auch schon in der Lampe meine Runden: Zwanzig, Dreißig, Vierzig; ich bin nicht mehr zu bremsen! Bis ich registriere, dass mein rechter Flügel schmerzt und schon ganz angekokelt ist. Also fliege ich schnell anders herum weiter in der Lampe umher, bis schließlich beide Flügel halb verkohlt sind und ich kaum noch um die engen Kurven komme. Schweren Herzens verlasse ich das göttliche Leuchten und gönne mir an der Decke eine kleine Verschnaufpause.

Dann dringt ein so köstlicher Duft in meine Nase, dass mir sofort das Wasser im Mund zusammen läuft. Was ich da rieche wird mir erst klar, als ich in den Flur schwirre und die Katze aus dem Klo kommen sehe. Ich finde die Vorstellung zwar ekelhaft, aber im Traum ist mein Appetit unersättlich und ich fliege, obwohl ich eigentlich gar nicht will, so schnell ich kann ins Bad, um mich in aller Ruhe am Katzenklo zu laben.

Wohl gesättigt überkommt mich anschließend Lust auf etwas Zweisamkeit und ich fliege zurück ins Schlafzimmer, wo Heike noch immer schläft. Ich setze mich zärtlich auf ihr Gesicht und reibe mich liebevoll an ihren Wangen und Lippen um sie sanft aufzuwecken. Doch sie erkennt mich wohl nicht gleich und verscheucht mich mit einer Handbewegung. Ich versuche es weiter, aber sie ist nicht zum Kuscheln aufgelegt.

Spinnennetz | © Heinz Dahlmanns / www.pixelio.deSchließlich gebe ich auf und fliege beleidigt in der Wohnung herum. Im Wohnzimmer drehe ich erst einmal ein paar Hundert Runden um die ausgeschaltete Deckenlampe. Das ist zwar völlig sinnlos und dämlich, aber ich kann nicht anders. Danach fliege ich zum Fenster, oder besser gesagt, gegen das Fenster. Einmal, zweimal, fünfmal, dutzende Male. Keine Ahnung warum, tut jedes Mal weh.

Dann sehe ich plötzlich aus dem Augenwinkel Heikes Hand immer größer werden – genau wie die riesige Fliegenklatsche, mit der sie auf mich einschlägt. Ich schaffe es gerade noch zur Seite zu fliegen, bevor das Mordinstrument mit donnerndem Getöse gegen die Scheibe klatscht.

Mein Ausweichmanöver ist zwar erfolgreich, endet aber mitten in dem gigantischen Spinnennetz, das seitlich neben dem Fester prangt. Ich klebe fest und kann mich weder vor noch zurück bewegen. Durch mein Gezappel aufgeweckt, schießt eine riesige, fettleibige Spinne aus der Ecke hervor und baut sich, zum finalen Todesstoß bereit, bedrohlich über mir auf. Sie trägt Heikes Gesicht…

In diesem Moment wache ich – in Schweiß gebadet – auf!

Und jetzt sitze ich hier wieder und grüble, was es mit diesem Traum wohl auf sich haben könnte. Träume sind schon seltsam. Dann betritt Heike das Schlafzimmer und sagt: „Findest du, dass man meinen Bauch schon sieht? Hoffentlich passe ich nächste Woche überhaupt noch in das Kleid“.

© 2011 Slamek Oswalek – Die Fliege

Fotos: © Andrea Kusajda | © Heinz Dahlmanns / PIXELIO

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