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Die Integrationsunwilligen sind überall

Integration Satire | © Gerd Altmann / PIXELIO / www.pixelio.deGestern habe ich mir auf dem Trödelmarkt “Das große Zille-Album” gekauft, was sich im Nachhinein als ziemlich blöde Idee erwiesen hat. “Das große Zille-Album” ist, wie der Name schon vermuten lässt, von pompösem Format, hat viele Seiten aus dickem Papier und einen sehr stabilen Einband, was es in der Summe seiner Eigenschaften zu einer eher unhandlichen und schwergewichtigen Publikation macht.

Man kauft nicht gleich am dritten Stand unhandliche und schwergewichtige Publikationen, wenn man noch den ganzen Trödelmarkt nach Uranglas, Bosse-Figürchen oder Goldfink-Kolbenfüllern durchforsten möchte. Das sollte ich als alter Trödelhase eigentlich mittlerweile verinnerlicht haben.

Als alter Trödelhase habe ich aber auch die Furcht verinnerlicht, jemand anderes könnte z. B. “Das große Zille-Album” gekauft haben, wenn ich den ganzen Trödelmarkt nach Uranglas, Bosse-Figürchen oder Goldfink-Kolbenfüllern durchforstet habe, ohne dass mir dabei ein nennenswerter Erfolg beschieden war. Das ist mir schon ein paarmal passiert, und dann ist mir für den Rest des Tages grämlich zumute, was ich gern vermeide.

Ich schleppte also “Das große Zille-Album” über den Trödelmarkt (was sich im Nachhinein als die richtige Entscheidung erwies, denn der restliche Trödelmarkt wusste eher mit henkelloser Tee-Keramik aus den Achtzigerjahren, polnischen Antiquitäten aus der letzten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts und jeder Menge gruseliger Weltkriegsorden zu beeindrucken) und traf dabei auf jene hübsche rosa Publikation, in welcher Herr Sarrazin noch vor wenigen Wochen in Auflagen, wie sie sonst nur Vampirschmachtfetzen erreichen, den dräuenden Untergang der Vaterlandes beklagte.

© Hanspeter Bolliger / PIXELIO / www.pixelio.deEin bisschen stimmte mich das betroffen. Gerade noch die heiß begehrte Brandschrift des Kleinbürgertums, in welcher endlich mal gesagt wurde, was das Recht auf Meinungsfreiheit ohnehin jedem Deppen zugesteht, fristete das umstrittene Werk nun schon sein trauriges Dasein zwischen der Biographie von Dieter Bohlen und der Flut von Hera-Lind-Romanen auf dem Flohmarkt in den Hammer Zentralhallen. Es wirft ja kein gutes Licht auf unsere deutsche Leitkultur, dass wir derart schändlich mit unseren Kulturgütern umgehen.

Ich kaufte das Buch aber trotzdem nicht, denn ich hatte an dem “Großen Zille-Album” schon genug zu schleppen. Hätte ich “Das große Zille-Album” nicht herumschleppen müssen, hätte ich es aber bestimmt gekauft, denn ich hegte gerade auch einen Groll gegen Integrationsunwillige, weil mich die Firma auf einen Lehrgang geschickt hatte, bei welchem der Referent in einem fort “intregiert” anstatt „integriert“ gesagt hatte, was ich als ungeheuerliche Zumutung empfunden hatte. Sitzen Sie mal acht Stunden lang in einem Raum, in dem vierzig Menschen herum atmen, und dann steht auch noch einer vorne, der immerzu “intregiert” sagt! In jedem dritten Satz hat der “intregiert” gesagt, und in acht Stunden kann man eine Menge Sätze sagen!

Ich hatte jedenfalls am Ende meines Lehrgangs erschreckend wenig über die Dampfdruckkurve von Flüssiggas gelernt, wozu ich ja eigentlich auf den Lehrgang verklappt worden war, dafür aber meine Meinung über Herrn Sarrazin revidiert. Bis zu meinem Lehrgang über die Dampfdruckkurve von Flüssiggas war ich der Auffassung gewesen, Herr Sarrazin sei ein minder begabter Opportunist, der munter das herum posaunte, was das Recht auf Meinungsfreiheit ohnehin jedem Deppen zugesteht, weil es bei ihm für auflagenstarke Vampirschmachtfetzen nicht gereicht hatte und er trotzdem gerne mal ein Buch veröffentlichen wollte. Aber nach acht Stunden “intregiert”-Gebrabbel war ich bekehrt. Wer keine Deutschkurse besucht hat, hat das Recht verwirkt, mir in einem Raum mit vierzig Leuten auch noch die Luft wegzuatmen! Soll der doch nach Anatolien gehen, wo es keine Sau interessiert, wie oft der “intregiert” sagt! Oder was immer Herr Sarrazin so vorschwebt, wie mit Leuten zu verfahren ist, die sich einen Scheiß drum scheren, dass sie nicht mal richtig deutsch können. So genau werde ich es nun wohl nie erfahren, wie mit denen zu verfahren ist, weil ich Vollpfosten mir ja unbedingt am dritten Stand schon “Das große Zille-Album” hatte kaufen müssen.

© 2010 Bianka Tewes – Die Integrationsunwilligen sind überall

Fotos: © Gerd Altmann | © Hanspeter Bolliger / PIXELIO

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5 Kommentare zu Die Integrationsunwilligen sind überall

  • Integrationsunwillige gibt es mit Sicherheit. Es gibt ja auch genug Deutsche Staatsbürger die nicht für die Verfassung sind. Dennoch sollte das Thema nicht überstrapaziert und der EInzelfall instrumentalisiert werden. Das Thema wird seltsamerweise in ganz Europa diskutiert. Seelbst in Ländern mit wenig Migranten. Das ist ähnlich wie das Kopftuchverbot und der Priester der den koran verbrennen wollte. Alles wird über die Medien aufgebauscht und dann in ganz Europa gesendet. Habe viele Kontakte ins Ausland und die von mir angesprochenen Themen sind dort genau so aktuell wie bei uns.

  • Gerd

    Danke Frau Tewes, jetzt weiß ich endlich, was ich mir unter Integrationsunwilligen vorstellen kann und wie sich das äußert. Das Thema haben Sie also gut intregiert ;-)

  • joker0402

    Bei uns in der Firma arbeiten sehr viele Leute, die sich in den vergangenen 30 Jahren hier sehr gut “intregiert” :mrgreen: haben. Und selbst diese und deren Kinder sagen, dass heute nur noch Schotter nach Deutschland kommt. Ich als Deutscher, geplagt von Gutmenschentum, 68ern, “intregierenden” Politikern, Klimalügen, Terrorgefahr, und-und-und darf so etwas ja nicht einmal denken…

  • Bianka

    Sehr geehrter Herr Joker,

    aber natürlich dürfen Sie sowas denken. Sogar schreiben dürfen Sie sowas! Niemand kippt Ihnen deswegen eine Ladung Schotter auf die Rübe.

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