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Die Kühe rülpsen nicht mehr lange

Totemtier Rülpsende Kuh © Kora Polster / PIXELIO / www.pixelio.deDas Totemtier ist schwer im Kommen. Das mag auf den ersten Blick ein wenig atavistisch anmuten in einer Gesellschaft, welche den Intelligenzquotienten ihrer Individuen an der Auswahl des Elektronik-Fachmarktes bemisst. Doch ist die Wunderwelt der Technik in unserer hochentwickelten westlichen Zivilisation nicht einem jeden Trost und Labsal. Das eine oder andere Exemplar unserer Gattung neigt eben auch zu intellektuellen Defiziten und fristet sein Dasein in einer von ihm selbst verschuldeten Welt von Niedriglohn und Altersarmut.

Da steht es nun einsam und frierend im ewig miesen Wetter, ohne Smartphone mit Sunshine-App, und muss sich dort seinen Wellness-Faktor suchen, wo ihm der Dispo nicht im Wege steht. Auf der spirituellen Ebene zum Beispiel. Während der Durchschnitts-Niedriglöhner schon bei einem Besuch im Zoo oder beim Minigolf an die Grenzen seiner finanziellen Belastbarkeit gerät, ist die spirituelle Ebene immer noch kostenfrei, und man kann auch dort sehr schöne Erlebnisse haben, indem man z.B. mit Engeln labert oder mit seinem Totemtier umher tollt.

Ich selber habe leider kein Totemtier. Um das Totemtier zu treffen, muss man sich in einen Wald hinein meditieren, und wenn man sich dann tief genug in den Wald meditiert hat, kommt man auf eine Lichtung, und da setzt man sich dann hin und wartet auf das Totemtier. Ich komme aber nie bis auf die Scheiß-Lichtung, weil mir unterwegs immer einfällt, dass ich den Wasserkocher nicht ausgestöpselt habe oder dass das Auto letzten Monat zum TÜV musste, und pluff bin ich wieder im Hier und Jetzt im miesen Wetter bei meinem Dispo.

Vielleicht ist es aber auch ganz gut so, dass ich nie auf die Lichtung komme und so mein Totemtier nicht treffe. Das Totemtier spiegelt ja den Charakter, und wer weiß, was dann aus dem Gebüsch kommt, wenn man sich meinen Charakter so anguckt. Wahrscheinlich irgendwas, was nicht gerne rausgeht und Kopfschmerzen von zu viel Sonne kriegt. Eine Kellerassel oder so. Und bei meinem Glück hat die dann auch noch Diabetes oder die Weißpünktchenkrankheit, und dann muss ich der jeden Tag zwei Spritzen geben oder Erlenzapfensud kochen und komme gar nicht mehr zum Schlafen. Ich habe drei Katzen und zwanzig Zwerggarnelen, ich weiß, wovon ich rede.

Eisbär © Rosel Eckstein / PIXELIO / www.pixelio.deIm Gegensatz zu mir hat Herr Kyoto keine Angst vor brennenden Wasserkochern und kann sich sorglos und unbeschwert in Wälder meditieren. Herr Kyoto hat extra ein Protokoll geschrieben, um das Klima und den Eisbären zu retten. Der Eisbär ist Herrn Kyotos Totemtier und wegen des Klimas vom Aussterben bedroht, denn das Klima schmilzt dem Eisbären das Eis unter den Tatzen weg, und für ein dauerhaftes Leben im Wasser ist der Eisbär nicht gerüstet, weil er, anders als beispielsweise meine Zwerggarnelen, keine Kiemen hat. Man kann ihn auch schlecht im Zoo aufbewahren, weil er dann komisch wird und ebenfalls ertrinkt.

Um der ungehemmten Eisbärenertrinkerei Einhalt zu gebieten, hat Herr Kyoto in seinem Protokoll verfügt, dass klimaschädigende gasförmige Aggregate ab sofort nicht mehr in den bislang so unbekümmert ausgestoßenen Mengen auszustoßen seien, was aber wie üblich keine Sau interessiert. Es werden weiterhin mannigfaltig Geländewagen produziert und Abgase entlassen, und das müssen jetzt die Kühe ausbaden, die vermutlich auch keine viel größere Totemtier-Lobby haben als die Kellerassel. Die Kühe sind vor allem deshalb nicht als Totemtier beliebt, weil sie hinten immer besudelt sind und vorne dauernd rülpsen, wobei sie Methan in die Atmosphäre entsenden, und da es sehr viele rülpsende Kühe auf der Welt gibt, sind sie nun schuld an all den ertrinkenden Eisbären.

Damit die Kühe weniger werden, hat Herr Kyoto nicht etwa ein neues Protokoll geschrieben, das vermutlich ebenso viel Wirkung auf die Kühe gehabt hätte wie das alte auf die Weltwirtschaft. Herr Kyoto hat sich stattdessen neue Joghurtdeckel ausgedacht.

Mir jedenfalls ist das sofort aufgefallen, als ich neulich meinen Birnenjoghurt aufmachte und den Deckel ableckte. Man muss den Joghurtdeckel ablecken, weil am Joghurtdeckel immer so viel Joghurt klebt, man kommt gar nicht drum herum. Und da ist mir aufgefallen, dass die Joghurtdeckel gar nicht mehr so glatt sind wie früher. Wenn man sich die Joghurtdeckel mal genau anguckt, dann entdeckt man lauter kleine Vertiefungen, die eine ribbelige Joghurtdeckelunterseite ergeben und das Joghurtdeckelunterseitenablecken zu einem Erlebnis machen, das sensorisch stark zu wünschen übrig lässt.

Ich habe mich natürlich gleich gefragt: Warum macht man denn sowas? Und nach einigem Nachdenken bin ich auf die Zusammenhänge gekommen. Wenn die Leute keinen Joghurt mehr kaufen, weil das Joghurtdeckelablecken eklig ist, dann braucht man weniger Milch, und wenn die Milchnachfrage sinkt, dann sinkt damit auch die Kuhnachfrage. Es wird weniger Methan in die Welt gerülpst, die Eisbären müssen nicht ertrinken, und Herr Kyoto kann weiterhin seinem Totemtier Bällchen auf seine verdammte metaphysische Lichtung werfen.

Trotzdem ist das irgendwie ungerecht den Kühen gegenüber.

© 2012 Bianka Tewes – Die Kühe rülpsen nicht mehr lange

Fotos: © Kora Polster | © Rosel Eckstein / beide PIXELIO

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5 Kommentare zu Die Kühe rülpsen nicht mehr lange

  • Alexander

    Hmm, was genau will uns der Autor mit diesem Beitrag eigentlich sagen?

  • Bianka

    Sehr geehrter Herr Alexander,

    der Autor ist ein Mädchen. Eine Autorin also. Bestimmt liegt da schon bei Ihnen die Flinte im Korn. Lesen Sie genauer, dann kommen Sie schon dahinter. Oder auch nicht. Möglicherweise kommen Sie auch nach stundenlanger angestrengter Lektüre lediglich zu dem Schluss, dass die Autorin wohl irgendwie Spaß an haarsträubenden Assoziationen hat und heilfroh ist, schon so lange Zeit den öden Textinterpretationen ihrer langweiligen Schulmädchenzeit entronnen zu sein.

  • Fantastisch! Warum hat man diese komplexe und dabei anschaulich beschriebene Thematik nicht auf die Agenda des Weltklimagipfels in Katar gesetzt? Gut, in Doha versteht man nicht sonderlich viel von Kühen, die ihr Dasein dort portioniert in Tiefkühltruhen fristen und schmelzende Eisschollen sind in dieser Region eher selten. Dennoch verstand man sich auf der baumlosen Halbinsel auf ambitionierte Affirmationen und Wälder sind dort zumindest als gestalterische Elemente von Shopping-Malls eine gerngesehene Attraktion. Auch hat man in den wohlklimatisierten Räumlichkeiten nicht einen einzigen Eisbären zu Gesicht bekommen, obgleich davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit eines freilaufenden Exemplars durchaus für Beachtung gesorgt hätte. Andererseits leidet Katar eher unter einer gereizten Gasblase denn unter Niedriglöhnen, so dass sich Rülpser aufgrund der regionalen Verhältnisse in Klimagipfel-Flatulenzen manifestierten. Da die dortige Durchschnittstemperatur ein Aufsteigen olfaktorisch nicht unerheblich belasteter menschlicher Ausströmungen verhindert, blieb es wohl deshalb beim Klimagipfel nur bei der üblichen heißen Luft und Herr Kyoto fuhr unverrichteter Dinge wieder zum Joghurtdeckelablecken nach Hause.

    • Bianka

      Komplex. Genau. So sind meine Thematiken immer. So komplex, dass halt nicht jeder sie versteht, manchmal nicht mal ich selbst.

      • …es geht doch hier eindeutig um die metaphysische Idealprojektion milchwirtschaftlicher Transzendentalmolkereien im Kontext forstwirtschaftlich relevanter Schneegrenzenkalkulation im Off-Shore-Bereich und deren Auswirkung auf die arktische Fauna – das leuchtet sogar meinem Schweineschnitzel ein, und das ist nicht vom Fach! Oder hat mein Schnitzel da etwas falsch verstanden?

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