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Existenzgründung: Neue Geschäftsideen für Existenzgründer

© Stephanie Hofschlaeger/ PIXELIO / www.pixelio.deFür all die arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger und von Hartz-IV bedrohten Arbeitslosengeld-Empfänger sieht die Welt nicht rosig aus. Es gibt einfach nicht genug Arbeitsplätze für alle. Der geschäftstüchtige Arbeitslose schafft sich seine Arbeit daher selbst. Als Existenzgründer. Doch mit welcher Geschäftsidee soll man sich selbständig machen?

Klaus Bürger hat im letzten Jahr seine Arbeit bei einer Bank in Frankfurt am Main verloren. Er wurde arbeitslos. Doch er hat sich inzwischen aus der Arbeitslosigkeit befreit und sich als Berater selbständig gemacht. In einem Interview berichtet er unserer Redaktion über den Start in die Selbständigkeit und seine innovative Geschäftsidee…

Die Redaktion: Herr Bürger, wie ist es Ihnen bislang in der Selbständigkeit ergangen?

Klaus Bürger: Ich kann mich nicht beklagen. Aller Anfang ist schwer, aber meine Arbeit macht viel Spaß und meine Dienstleistungen finden großen Zuspruch.

Die Redaktion: Dem Handelregister kann man entnehmen, dass sie eine “Beratung für Reinigungskräfte” betreiben.

Klaus Bürger: Das ist korrekt. Unser Anwalt hat uns zu dieser Formulierung geraten.

Die Redaktion: Unsere Leser werden sich sicher fragen, in was man denn Reinigungskräfte beraten muss. Vermitteln Sie Techniken des Wischens, Fensterputzens und Staubsaugens?

Klaus Bürger: (lacht) Nein, nicht ganz. Bei der Beratung geht es natürlich um die spezielleren und gefährlicheren Säuberungstätigkeiten. Putzen und Saugen spielen da zwar auch eine Rolle, aber eher am Rande und nach getaner Arbeit. Die Entsorgung ist da wesentlich wichtiger.

Die Redaktion: Heißt das, Sie beraten Reinigungskräfte für Gefahrengüter? Schulen Sie also diejenigen armen Teufel, die den Dreck anderer weg machen müssen, wenn es zu chemischen oder biologischen Verunreinigungen kommt?

Klaus Bürger: (lacht) Biologische Verunreinigungen? So kann man das natürlich auch nennen.

Die Redaktion: Herr Bürger, bitte spannen Sie uns nicht länger auf die Folter. Wen genau beraten Sie denn nun?

Klaus Bürger: Ach so, ich dachte, Ihre Leser wüssten das. Ich berate Auftragsmörder.

Die Redaktion: (erstaunt)… Auftragsmörder?

Klaus Bürger: Ganz genau. Ich bin Berater für Auftragsmörder, für Profikiller.

Die Redaktion: (lacht) Profikiller? Das ist doch ein Witz, oder?

Klaus Bürger: Nein, das ist kein Witz!

Die Redaktion: (verdutzt) Aber ist das nicht… illegal?!

Klaus Bürger: Na, jetzt wollen wir aber mal keine Korinthen kacken!

Die Redaktion: Und wie steht die Agentur für Arbeit Ihrer Geschäftsidee gegenüber? Frankfurt gilt ja als gründerfreundliche Stadt. Erhalten Sie… Fördergelder?

Klaus Bürger: Natürlich. Ich erhalte den üblichen Gründungszuschuss nach § 57 SGB III, der mir gesetzlich zusteht. Meinen Businessplan habe ich zuvor von einer unabhängigen fachkundigen Stelle, meinem Steuerberater, auf seine Tragfähigkeit hin prüfen lassen und der Arbeitsagentur fristgerecht eingereicht.

Die Redaktion: Herr Bürger, wir wollen die juristischen Fragen, die Ihre Gründung unserer Meinung nach aufwirft, gar nicht weiter vertiefen. Aber werden Ihre Dienstleistungen denn im Rhein-Main-Gebiet tatsächlich nachgefragt?

Klaus Bürger: Aber selbstverständlich! Frankfurt ist schließlich eine wichtige europäische Finanzmetropole. Und auf den Finanzmärkten ist es ganz normal, dass gelegentlich die ein oder andere Person zu verschwinden hat.

Die Redaktion: Aber wie steht es um die ethischen und moralischen Fragen Ihrer Tätigkeit?

Klaus Bürger: Welche Fragen sollen das sein?

Die Redaktion: Nun, immerhin tragen Sie ja mit dazu bei, dass Auftragskiller künftig… ja was eigentlich… besser morden?! Tangiert nicht zumindest das Schicksal der Opfer Ihr Gewissen?

Klaus Bürger: Ach so. Und ich dachte schon, Sie meinen unsere Honorare. Nein, ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Die Opfer profitieren ja auch davon.

Die Redaktion: Die Opfer… profitieren auch davon?

Klaus Bürger: Ja, natürlich. Wir bieten schließlich professionelle Trainings und Coachings in Tötungstechniken an! Oder würden Sie vielleicht gern so unprofessionell von einem Amateur dahingerafft werden? Bei uns lernen die Auftragskiller mit den verschiedensten Waffen und ihren bloßen Händen schnell und effizient zu töten! Die Opfer kriegen so praktisch gar nicht mehr mit, dass sie überhaupt umgebracht werden.

Die Redaktion: Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?

Klaus Bürger: Wieso?

Die Redaktion: Herr Bürger, jetzt einmal ganz ehrlich: Das ist doch eine widerwärtige Arbeit, die sie da verrichten. Sie unterstützen den übelsten Abschaum der Gesellschaft, Auftragskiller, Meuchelmörder, Menschen, die andere für Geld töten! Schämen Sie sich denn gar nicht?

Klaus Bürger: Ach, wissen Sie, so groß ist der Unterschied zu meiner früheren Tätigkeit in der Bank ja auch nicht. Und irgend jemand muss den Job schließlich machen! Da erledige ich ihn doch lieber selbst. Dann weiß ich wenigstens, dass er gut gemacht wird – und ich helfe ja auch noch den Opfern.

Die Redaktion: Herr Bürger, welche Beratungsleistungen bieten Sie noch an?

Klaus Bürger: Neben den Schulungen in Tötungstechniken werden vor allem die Entsorgungsberatung und die psychologische Täterberatung stark in Anspruch genommen.

Die Redaktion: Psychologische Beratung für Täter? Was können wir uns darunter vorstellen?

Klaus Bürger: Nun, Mörder sind ja auch nur Menschen. Und manche von Ihnen – besonders Quereinsteiger und Trainees – nehmen sich ihre Arbeit zu sehr zu Herzen. Die können dann nicht gut abschalten, haben Schlafstörungen oder Schuldgefühle. Da muss man früh intervenieren und auch das Selbstwertgefühl stärken! Sonst kommt es nämlich irgendwann zu einem Burn-Out. Erst kürzlich hatte ich wieder einen Selbstmordattentäter mit Tinnitus. Die kommen oft erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist!

Die Redaktion: Aber… sollten nicht eigentlich die Opfer bzw. deren Angehörige psychologisch betreut werden?

Klaus Bürger: Ja, wieso das denn? Die Opfer sind doch tot! Und die Angehörigen haben schließlich niemanden umgebracht.

Die Redaktion: Ja… Da haben Sie natürlich auch wieder recht. Kommen wir vielleicht besser noch einmal auf Ihren dritten Tätigkeitsschwerpunkt zu sprechen: Die Entsorgungsberatung. Was leisten Sie da?

Klaus Bürger: Dabei geht es zunächst einmal um die verschiedenen Techniken zur Leichenbeseitigung. Also alles vom Zersägen und Vergraben über das Auflösen in Säure bis hin zu Moorversenkungen und Einäscherungen. Und es geht natürlich auch um die Entsorgung beweislastigen Materials am Tatort und am Täter. Haben Sie z.B. eine Ahnung, wie schwer es ist, Blutflecken wieder los zu werden?

Die Redaktion: Äh… nein! Herr Bürger, wir haben den Eindruck, dass Sie sich Fragen nach Schuld, Recht oder Verantwortung noch nie gestellt haben.

Klaus Bürger: Ich muss doch sehr bitten! Ich bin ein treusorgender Familienvater! Und in diesen ganzen Diskussionen wird immer übersehen, wie belastend und gefährlich der Beruf eines Profikillers eigentlich ist! Neben all den Schlafstörungen und Schuldgefühlen muss ein Mörder rund um die Uhr zur Verfügung stehen, mobil sein und sehr starke Nerven haben! Er muss immer auf der Hut vor der Polizei sein und weiß dabei nicht einmal, wie seine Auftragslage und sein Einkommen in den nächsten Monaten aussehen werden! Mal ganz davon zu schweigen, dass er ständig Gefahr läuft, sich mit schlimmen Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV anzustecken! Es spritzt schließlich oft Blut bei der Arbeit! Möchten Sie vielleicht so ein entbehrungsreiches und belastendes Leben führen und dann noch ständig von der Gesellschaft dafür verurteilt werden?

Die Redaktion: Herr Bürger, wir bedanken uns für das… interessante Gespräch, würden uns allerdings wünschen, Sie wären wieder bei einer Bank untergekommen!

Klaus Bürger: Nein! Dahin gehe ich nie wieder zurück! Das wäre mir zu unmoralisch.

© 2010 Slamek Oswalek – Existenzgründung: Neue Geschäftsideen für Existenzgründer

Foto: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

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10 Kommentare zu Existenzgründung: Neue Geschäftsideen für Existenzgründer

  • meck

    Gelesen mit einem schmunzelnden und staunenden Auge. Erinnert mich an die Gewerbeanmeldungen von Bordellen, die als Saunaclub oder FKK – Club getarnt sind.

  • Joerg

    Die Redaktion: Herr Bürger, wir bedanken uns für das… interessante Gespräch, würden uns allerdings wünschen, Sie wären wieder bei einer Bank untergekommen!

    Klaus Bürger: Nein! Dahin gehe ich nie wieder zurück! Das wäre mir zu unmoralisch.

    :lol:

  • wumpus

    Saubere Sache… und immerhin noch besser als sein früherer Job! I sags ja immer, die Bänker sind die größten Verb….

  • ghi

    Die Redaktion: Herr Bürger, welche Beratungsleistungen bieten Sie noch an?

    Klaus Bürger: Neben den Schulungen in Tötungstechniken werden vor allem die Entsorgungsberatung und die psychologische Täterberatung stark in Anspruch genommen.

    …schon sehr makabere Satire.

  • Muddi

    War interessant zu lesen und auch sonst ist die Seite nicht schlecht :cool:

    Humor ist wichtig, denn in Hartz IV – Zeiten ohne Humor, wäre glaube manch einer schon depressiv, obwohl ich mal einen Artikel gelesen hatte, dass Hartz IV und die Probleme richtig krank machen können, gerade was die Psyche angeht, aber das wäre ja dann ein anderes Thema.

  • sensationell, da bieten sich doch tausende von neuen möglichkeiten. ich gründe nun eine arbeitsvermittlungsstelle, die putzkolonnen nach island vermittelt. ich schwöre es, asche auf mein haupt.

  • Slamek Oswalek

    @ Lupe: Wenn du dann in den Putzkolonnen noch auf Kinderarbeit setzt (die kommen ja auch mit ihren kleinen Händen besser in die Ritzen zum Putzen) wirst du mit Sicherheit ein Vermögen machen und ein international angesehener Geschäftsmann werden!

  • Klasse geschrieben!

    Ulrich

  • Global Player

    Wirklich gut geschrieben! Etwas Auflockerung im tristen Alltag.

  • Horrortrip

    Noch makabrer:
    Die Agentur bildet 5 Millionen Arbeitslose zu Steuerfahndern aus.
    Wenn jeder nur 1000 € Steuern eintreibt,
    so sind das 5 Milliarden im Jahr.
    Ihr Club der Steuerzahler
    P.S. Ich weiß natürlich, dass sowas bei uns nicht geht,
    aber man wird ja mal träumen dürfen.

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