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Umwelt

Fischverweiblichung

Fisch | © Angelina Ströbel / PIXELIOSchaffen Sie sich niemals Haustiere an.
Wenn Sie erstmal Haustiere haben, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als haushaltsfremden Personen Ihren Wohnungsschlüssel auszuhändigen, denn es kommt ein Tag, da werden Sie aus irgendeinem Grunde nicht daheim sein, und dann muss jemand kommen und Ihre Haustiere füttern, und bei Ihrer Heimkehr haben Sie dann eine Literflasche gelbes Spüli am Hals.

Ich jedenfalls hatte eine Flasche gelbes Spüli am Hals, denn leichtsinnigerweise hatte ich Mutti mit dem Wohnungsschlüssel und der Fütterung der Haustiere betraut.

Nicht betraut hatte ich Mutti mit dem Spülen meiner Kaffeetasse, in welcher sich Rückstände des einstmals dort befindlichen Kaffees abgelagert hatten, was Mutti umgehend dazu bewog, in den benachbarten Schlecker einzufallen und dort eine Literflasche gelbes Spüli zu erwerben, von dem etwa drei Spritzer für die Reinigung meiner Kaffeetasse verwendet wurden.

Ich vermute hier einen unbewussten inneren Konflikt, denn auch Mutti neigt bisweilen zu einer gewissen Rückständigkeit. Nicht nur ignoriert sie standhaft die Existenz von Geschirrspülmaschinen und muss immer zwanghaft dreckiges Geschirr spülen, wo immer sie welches erblickt. Nein, Mutti kauft auch immer gelbes Spüli. Da ist sie allen farbigen und aromigen Innovationen gegenüber vollkommen resistent. Quasi wie ein einsfünfundsechzig großes Insekt. Auch auf Insekten übt die Farbe Gelb eine große Anziehungskraft aus, was erklärt, warum alle Blumen auf der Welt gelbe Pömpel haben, wenn nicht gar gelbe Blütenblätter. Und warum man keine gelben Badelaken, Sonnenschirme und Flauschvorhänge für Balkontüren kaufen sollte. Ist es gelb, hat man Insekten. Gelb wirkt auf Insekten wie Häufchen auf Hundenasen. Für andere Farben sind Insekten blind. Mutti auch. Im Schlecker-Regal können Spüliflaschen in den apartesten Farben und den deliziösesten Düften locken, Mutti kauft immer das Gelbe mit der Fettlösekraft der Zitrone. Selbst wenn es rotes Spüli mit Kirschgeruch gibt, an das eine Gratis-Spülbürste angekettet ist. Rotes Spüli ist verdächtig. Kirschen sind ja auch nicht für ihre Fettlösekraft bekannt.

Spülschaum| © A. Dreher / PIXELIOMutti glaubt halt noch an so altmodischen Kram wie das Gute im Menschen, Rei in der Tube und Zitronen im Spüli und hat sich noch nie mit Tensiden und der Abwasserproblematik befasst. In Spüli ist nämlich weder Zitrone noch Kirsche oder sonstwas, was nicht schadet, sondern Tenside und Farbe und jede Menge Synthetik. Das kommt dann alles ins Abwasser und verwandelt alle dort herumschwimmenden Fische in Weibchenfische. (Sagt jedenfalls Google. Fische und Abwasser ergibt immer Fischverweiblichung in bedrohlichem Ausmaß. Genauer habe ich das nicht recherchiert, weil ich schnell gemerkt habe, dass dann der logische Aufbau meines Textes ins Wanken gerät, aber Sie sollten mir das durchgehen lassen. Eine Nation, die Galileo für eine Wissenssendung hält und keine Bildungsgutscheine haben will, sollte mal nicht an unlogischen und schlecht recherchierten Texten rumnörgeln.)

Nun ist der Fisch, anders als die ebenfalls wasserbewohnende Posthornschnecke, kein selbstbefruchtender Zwitter. Ein Weibchenfisch braucht immer einen Männchenfisch, um Kinderfische zu produzieren und somit Fischstäbchen für die Welt, und wenn es wegen der vom Abwasser in Weibchenfische verwandelten Weibchen- und Männchenfische keine Kinderfische mehr gibt, dann kann man das schon als ein ernstzunehmendes Problem in Bezug auf die Weltbevölkerungsernährung ansehen.

Zitronen | © Benjamin Klack / PIXELIOUnd vor diesem Hintergrund ist es ja wohl mehr als verwerflich, dass gewissenlose Spülikonzerne immer nur Tenside und anderes fischverweiblichendes Zeug in ihr Spüli panschen anstatt Zitronen und das dann auch noch in frivolen Farben und Duftrichtungen anpreisen! Unlängst erblickte ich gar ein blaues Spüli mit Feigenmilch und Saphir. Jawohl, Saphir! Wann hätte man je davon gehört, dass unsere Urgroßmütter ihre fettigen Pfannen mit Saphiren geschrubbt hätten? Obgleich ich mich nicht rühmen kann, umfangreiche Kenntnisse in der Mineralogie zu besitzen, möchte ich doch einfach mal behaupten, dass der Saphir über eine noch geringere Fettlösekraft verfügt als die Kirsche!

Wenn ich das alles jetzt so kritisch reflektiere, komme ich zu dem Schluss, dass Mutti eigentlich doch gar nicht so rückständig ist, sondern eine Öko-Rebellin. Wir wollen echtes gelbes Spüli! Es lebe die Fettlösekraft der Zitrone, nieder mit dem falschen Tand der Tenside! Wie klebte es schon auf den Stoßstangen rostiger R4s in den Achtzigerjahren: Erst wenn das letzte Fischstäbchen zwischen euren Zähnen knirscht, dann werdet ihr sehen, dass man Saphire nicht essen kann!

© 2011 Bianka Tewes – Fischverweiblichungen

Fotos: © Angelina Ströbel | © A. Dreher | © Benjamin Klack / PIXELIO / PIXELIO

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3 Kommentare zu Fischverweiblichung

  • Gunther

    “Ein Weibchenfisch braucht immer einen Männchenfisch, um Kinderfische zu produzieren und somit Fischstäbchen für die Welt” :lol:

    Praktischer wäre noch, wenn die Fische, gleich welchen Geschlechts, bereits als Fischstäbchen auf die Welt kämen!

    • Der Josy

      Und die Kühe als Hamburger und Cheeseburger. Wir sollten mit Gott mal reden. Wenn wir schon die Herrenrasse sind, die als einzige ins jenseitige Paradies darf, im Unterschied zum seelenlosen Viehzeugs, kann man doch erwarten, dass der Bio-Krempel verbraucherfreundlich präsentiert wird, oder?

    • There are no words to describe how bodacious this is.

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