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Umweltschutz beginnt im Kleinen

Möchten Sie den Kassenbon?

Sie spüren es sicher auch: Nach dem Arabischen Frühling und der Jasminrevolution weht er auch hierzulande, der Wind des Wandels. Und diesmal beschert er uns nicht nur verblühende Landschaften, sondern einen in seiner Radikalität einzigartigen Umbruch. Der Kapitalismus ist tot, es lebe der Regenwald!

Vorbei die Zeiten, da profitgeile Unternehmer bedenkenlos Arbeitskräfte und Umwelt zugunsten der Gewinnspanne ausbeuteten. Der moderne Arbeitgeber hat sein Gewissen entdeckt und, tatkräftig und innovativ im Denken wie es von jeher seine Art ist, den dort entdeckten Lasten einen energischen Arschtritt verpasst.

Schluss mit der sinnlosen Verschwendung von Ressourcen, schließlich haben wir diese Welt nur von unseren Kindern geliehen, und die wollen ja auch noch Geld daran verdienen. Im Einzelhandel ist dieses neu erwachte Verantwortungsbewusstsein für ökologische Fragen bereits deutlich spürbar, man kriegt nämlich jetzt nicht mehr überall automatisch und ungefragt einen Kassenbon. Die meisten Leute schmeißen den sowieso weg oder lassen ihn liegen, damit die Kassiererin ihn wegschmeißt, und nur ganz wenige Erbsenzähler schleppen ihre ganzen Kassenbons mit nach Hause und heften sie in ihre Haushaltsbücher, damit sie nachvollziehen können, dass sie am 11. Februar 1987 um 16:42 Uhr bei Bediener 4 im Aldi eine Dose Pfirsiche für 79 Pfennige gekauft haben. Und dafür sterben Regenwälder!

Diesem gedankenlosen Unwesen wird nun verstärkt vom unternehmerischen Weitblick Einhalt geboten. Dafür sollten Sie, liebe Kunden, dankbar sein. Und ich sage dies nicht nur aus Ehrfurcht vor dem immerzu wachsenden Verantwortungsbewusstsein der Arbeitgeberschaft. Ich sage das auch und offen gestanden vor allem als Kassiererin, die es echt mal über hat, dass Sie sich immer derart BESCHISSEN anstellen, wenn man Sie fragt, ob Sie Ihren Kassenbon mitzunehmen wünschen oder nicht!

Denn auch in dem Betrieb, in welchem ich meine Brötchen verdiene, hat unlängst eine Kasse Einzug gehalten, die über eine „Bon ein – Bon aus“-Taste verfügt, deren Vorhandensein umgehend an das soziale und ökologische Gewissen der Geschäftsführung rührte. Fortan sollte der Kunde nur noch auf Wunsch einen Bon erhalten und nicht automatisch wie bei unserer alten Kasse, die unverdrossen nach jeder Buchung unter Ächzen und Stöhnen einen Bon hervor röchelte, ob der Kunde das nun wollte oder nicht. Der Kunde konnte ihn liegenlassen oder mitnehmen und draußen auf den Parkplatz schmeißen, und die Regenwälder starben weiter.

Kassenbon Satire © Andreas Stix / PIXELIO / www.pixelio.deDie Witzbolde unter den Kunden zerknüllten immer ihren Kassenbon, wobei sie ihre Kritik an der deutschen Finanzpolitik ausdrückten („Kann ich nicht vonne Steuer absetzen“), einem augenzwinkernden Fatalismus frönten („Gibt mir keiner wieder“) oder aber die besondere Harmonie ihrer ehelichen Beziehung betonten („Meine Frau glaubt mir.“) Diese drei Standardantworten gibt der Witzbold nun halt auf die Frage: „Möchten Sie den Kassenbon?“. Nur eben ohne das dramaturgische Mittel des Bonzerknüllens. Doch tut dies der derben Seele des Witzbold-Kunden keinen Schaden an. Ob mit oder ohne Bonzerknüllen, nach erfolgter Witzabsonderung verlässt er erfüllt von Frohsinn das Geschäft, um im nächsten seinen kassierenden Mitmenschen zu erheitern.

Ungleich schwerer tut sich der unsichere Kunde mit den Auswirkungen unternehmerischer Pro-Regenwald-Entscheidungen. Steht er nach einem intensiven Beratungsgespräch über die Frage, ob er lieber die blaue oder die grüne Sanitärchemie für sein Campingklo kaufen soll und ob das 2-kg-Päckchen Entfeuchtergranulat auch wirklich nicht teurer ist als der 5-kg-Eimer, endlich an der Kasse, muss er nun auch noch ganz allein entscheiden, ob er einen Kassenbon haben möchte. Viele unsichere Kunden sind damit überfordert und fallen in eine Art Starre, die sie erst nach minutenlangem Grübeln mit der hilflosen Frage zu durchbrechen im Stande sind: „Brauch ich den denn?“

Hier hält sich die beratende Kompetenz des Verkaufspersonals hinsichtlich einer Entscheidungshilfe wohlweislich zurück, denn die Frage nach der Notwendigkeit des Kassenbonbesitzes kann sich als ausgesprochen heikel erweisen. Mangels eines für den Verkäuferjob eigentlich dringlichst erforderlichen Psychologiestudiums von mindesten zwölf Semestern haben wir in den Anfangszeiten unserer Bon ein/Bon aus-Kasse unsere Frage leichtsinnig und unbedarft: „Brauchen Sie den Kassenbon?“ formuliert, weswegen wir uns fast schon wieder ein neues Auszubildendes hätten suchen müssen. Das Auszubildende hatte in seiner jugendlichen Unbekümmertheit einen psychotischen Kunden dergestalt befragt und damit einen schweren paranoiden Schub ausgelöst. Warum man ihm diese Frage stelle, begehrte der psychotische Kunde zu wissen, worauf das Auszubildende die Regenwälder anführte und der Kunde zu schreien begann, da stecke doch was anderes dahinter, sonst würde man ihn ja wohl nicht so komisch fragen, und über den Regenwald lachten ja wohl die Hühner, und er bestehe darauf auf der Stelle zu erfahren, welch finstere Machenschaften wir mit seinem Kassenbon im Schilde führten für den Fall, dass er sich in der ihm gestellten Frage für ein „Nein“ entscheide. Selbstverständlich brauche er den Kassenbon, nun erst recht, und sobald er das ihm zustehende hoch brisante Dokument in Händen halte, werde er der Verbraucherzentrale, der Bundesnachrichtendienst und RTL II von unserem hochgradig suspektem Gebaren Kunde tun.

Regenwald gerettet, Auszubildendes hinüber – wir schlichten Gemüter diesseits und jenseits der Ladenkassen machen uns einfach kein Bild von den gewaltigen Dimensionen, in die der unternehmerische Weitblick reichen muss.

© 2013 Bianka Tewes – Möchten Sie den Kassenbon?

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6 Kommentare zu Möchten Sie den Kassenbon?

  • Lorolimas

    ja mein Gott man kann sich auch anstellen, wer braucht denn schon den Regenwald? Wir haben doch genug Bäume.
    Kommt schon wir machen eine Flashmob und helfen dabei noch mehr Bäume zu fällen! :twisted:

  • Gut das man irgendwo die umwelt schützen möchte ist ja nachvollziehbar aber mit so mini lapalien wie die frage von Kassenbons reißt man meiner meinung nach nicht viel

  • Volkmar

    Wenn ich besonders viele Kassenbons aufbewahrte und sorgfältig mit bio-resorbierbarem Kleber zu einem langen und starken Stab verklebte, könnte es mir gelingen, einen neuen Baum zum Leben zu erwecken, unter der Voraussetzung, jenen Stab in fruchtbarem Boden zu platzieren. Hierdurch würde der ursprünglich ökologisch sinnvolle Gedanke der Kassenboneinsparungsbefürworter widerlegt, durch Erschaffung des Kassenbonbaumes eindeutig ad absurdum geführt.

  • Max

    Sehr schön geschriebener Text, hat spass gemacht zu lesen. Ich hau zu dem Thema mal n Spruch raus…. Kleinvieh macht auch Misst.

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