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REIM-TIME

Der Lenz im Dorfe

Foto: © Rainer Sturm / PIXELIODie Deutschen galten schon im 19. Jahrhundert als Volk der Dichter und Denker. Und das zu Recht! Mit unserer neuen Rubrik “REIM-TIME” treten wir den Beweis an und präsentieren Ihnen Lyrik, Poesie und Gedichte ausgewählter deutscher Schöngeister.

Beginnen wollen wir mit einem romantischen Heimatgedicht:

Der Lenz im Dorfe:

Im Dorfe fließt ein kühler Bach,
sein sprudelnd Quell der einzge Krach,
und in des Frühjahrs holdem Wiesengrün,
die Krysantemen lieblich blühn.

Des Tages letzte Sonnenstrahlen,
den Waldrand leuchtend gülden malen,
und unter´s Berges hohem Gipfel,
da singt ein Vöglein in einem Wipfel.

Tief unten, gleich am Wegesrand,
da wohnt die alte Witwe Brand,
in ihrem kleinen Häuschen,
mit ihrem Sohn, dem Kläuschen.

Foto: © Rainer Sturm / PIXELIO

Das Kläuschen auf die Vierzig geht,
ein Auszug käm jetzt eh zu spät.
Und Kläuschen ist ein ganz spezieller,
wohnt er doch da im Kohlenkeller!

Dorthin wurd er schon früh gebracht,
gleich als die Mutter ausgemacht,
dass er ihr zwar recht ähnlich sah,
und doch so gar nicht ähnlich war.

Denn Mutter, dieses garstge Luder,
die zeugte ihn mit ihrem Bruder!
Im Dorf da nimmt man, was man kriegt,
und Brüder sind da recht beliebt.

Foto: © Herbert Krick / PIXELIO

Doch da sie ihn nicht abgetrieben,
war Kläuschen jetzt zurückgeblieben.
Für wahr, er war kein Augenschmaus,
nein, er sah schon dämlich aus.

Wie er so aus den Augen schielte,
wenn er mit seinen Popeln spielte.
Und wie bei ihm der Speichel floss,
wenn er zum Sprechen sich entschloss.

Ja, was auch auf dem Boden kroch,
er stopfte sich’s ins Nasenloch.
Ob Wurm, ob Spinn, ob Silberfisch,
da war der Bub nicht wählerisch.

Und wegen eben diesem Joch,
verschwand er bald im Kellerloch.
Jawohl, da war die Witwe eigen,
wollt ihn nicht den Nachbarn zeigen!

Foto: © Norbert Leipold / PIXELIO

Und wenn doch einmal er entfloh,
dann wurd die Mutter ziemlich roh,
und zog ihn an den Haaren fort,
da gab es gar kein Widerwort!

So erfuhr Klaus niemals Liebe,
nur der Mutter düstre Triebe.
Und es ward sein kleines Herz,
so nach und nach zu Stein und Schmerz.

Denn stets allein im Kellerloch,
verändert einen Menschen doch!
Und Klaus Kontakte waren rar,
und Klaus war eh schon sonderbar.

Sein bester Freund war eine Ratte!
Bis er dann einmal Hunger hatte,
und weil Mutter hat das Brot vergessen,
da musst er sein´ klein Freund aufessen.

Foto: © Stephan / PIXELIO

Halt, hier lief doch etwas schief!
Kläuschen wartete bis Mutter schlief,
dann, angespornt durch all die Schmach,
schlich er sich in ihr Schlafgemach.

Wo er die ganze Nacht verweilte,
und Mutter mit dem Beil zerteilte!
Als dann der neue Tag erwacht,
ward Mutter nicht mehr ausgemacht.

Denn Klaus vergrub der Witwe Leiche
gleich vorm Haus unter der Eiche.
Draußen wird´s jetzt langsam heller
und es regt sich was, im Keller!

Foto: © Dieter Schütz / PIXELIO

Das Kläuschen ist´s – ganz ungeniert,
von Kopf bis Fuß mit Blut beschmiert,
hat Hunger nun und will sein Essen,
und hat darüber glatt vergessen:

Dass Mutters Leben doch entrann,
weshalb sie nicht mehr kochen kann!
Doch Klaus, den interessiert das nicht,
der wartet auf sein Leibgericht.

So hockt er da, tagein, tagaus,
in seinem künft´gen Grabeshaus.
Denn wie so Tag um Tag verstreicht,
aus Kläuschen bald das Leben weicht.

Foto: © Tobias Kunze / PIXELIO

Was er zuletzt hört, ist ein Bach,
sein sprudelnd Quell der einzge Krach.
Und des Tages erste Sonnenstrahlen,
das Häuschen leuchtend gülden malen.

Wo unter der Eiche blättrigem Kleide,
wächst lieblich duftendes Blumengeschmeide.
Ja, der Lenz war eingekehrt,
im Dorf, so herrlich unbeschwert.

© 2011 Slamek Oswalek – Der Lenz im Dorfe

Fotos: Bach © Rainer Sturm | Haus der Witwe © Rainer Sturm | Dorf © Herbert Krick | Kellerloch © Norbert Leipold | Rattenmahlzeit © Stephan | Eiche © Dieter Schütz | Kellerfenster © Tobias Kunze / Alle PIXELIO

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