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Sehnsucht nach Monarchie

Monarchie © Mona Otto/ PIXELIO / www.pixelio.deLetzte Woche ward der sonntägliche Frieden in meiner beschaulichen Heimat auf ebenso beunruhigende wie mysteriöse Weise gestört, es ereignete sich nämlich ein nicht angekündigtes und im Nachhinein nicht von der Lokalpresse erklärtes Feuerwerk westlich des Friedhofes. Insofern war ich anderen Mitbürgern gegenüber deutlich im Vorteil, denn durch meine bevorzugte Wohnlage östlich des Friedhofes konnte ich zumindest sehen, dass es sich um ein Feuerwerk handelte und meine Eltern am Telefon beruhigen, die dachten, es wäre Krieg. (Mutter rechnet jederzeit mit sowas, seit Herr Westerwelle zum Außenminister ernannt wurde, denn Herr Westerwelle, so meint meine Mutter, müsse in jedem Menschen Aggressionen wecken.)

Ich hingegen äußerte die Hoffnung, uns sei vielleicht ein Thronfolger geboren, was meine Mutter angesichts der derzeit in Betrieb befindlichen Staatsform für unwahrscheinlich hielt; aber ich mochte mich da nicht beirren lassen, da mich die derzeit in Betrieb befindliche Staatsform nicht mit staatsbürgerlicher Zufriedenheit erfüllt. Ich hätte gerne einen König oder meinetwegen eine Königin, die in prunkvollen Hymnen besungen und deren Nachwuchs mit Böllerschüssen und Feuerwerken angekündigt wird. Das hat doch Glanz und Glorie, wie ich finde. Staatsbürger mit Königen und Königinnen können Paraden gucken und Wimpel schwenken und Nippes mit aufgemalten Kitschbildchen der gekrönten Häupter in die Vitrinen stellen. Und dauernd findet was mit Kutschen und Pferden statt. Für die englische Königin, die gleich mir eine bekennende Hunde- und Pferdefreundin ist, wird sogar jedes Jahr eine Vorführung mit ausgewählten Pferden veranstaltet; wenn ich mir sowas angucken möchte, muss ich mir Karten für Apassionata kaufen oder zur Telgter Kutschenwallfahrt fahren, wo man immer angerempelt wird und aufpassen muss, nicht irgendeinem Kaltblutmonster unter die klobigen Hufe zu geraten.

krone

Wer mir nun mit vor gerechter Empörung bebender Stimme entgegen ruft, ich wisse die Segnungen unserer Demokratie überhaupt nicht zu würdigen und würde mich stattdessen in albernem Sissigedönse ergehen, der darf sich meiner uneingeschränkten Zustimmung gewiss sein. Ich weiß die Segnungen unserer Demokratie in der Tat nicht zu schätzen. Die Segnungen unserer Demokratie bestehen im großen und ganzen darin, dass man alle paar Jahre an einem Sonntagnachmittag, den man auch mit angenehmeren Zeitvertreiben verbringen könnte (mit Wimpelschwenken bei einer pferdebestückten Parade zum Beispiel) ein Kreuzchen auf ein Blatt Papier malen darf, um irgendwelchen Leuten lebenslange Pensionsansprüche zu sichern, die einem vier Jahre lang zu erklären versuchen, warum es ein unabänderliches Schicksal will, dass man immer mehr arbeiten muss für ein im besten Falle immer gleich gering bleibendes Gehalt, von dem man nach Abzug aller Steuern und Beiträge Miete und Essen nicht mehr bezahlen kann.

Mit einem König ist man da doch besser dran. Der König schickt einem seinen berittenen Steuereintreiber, der bunte Pluderhosen tragen sollte und einem unter hämischem Gelächter die mühsam erarbeiteten Geldstücke wegnimmt, weil der König sich davon was Schönes kaufen will, ein Fabergé-Ei zum Beispiel oder noch mehr Pferde für die berittenen Steuereintreiber. Da weiß man doch wenigstens, wo das Geld geblieben ist, und an hohen Feiertagen, am Königsgeburtstag etwa, darf das Volk durch die königlichen Schatzkammern flanieren und sich die königliche Fabergé-Eiersammlung angucken. In einer Demokratie wird einem das Geld einfach gleich vom Lohn abgezogen, und man sieht es nie wieder, auch nicht in seiner transzendierten Form als Fabergé-Ei oder Pluderhosenuntersatz.

fabergé

Wäre die Demokratie so, wie sie mal gedacht war, würde ich gar nicht so auf pluderbehosten Steuereintreibern herumreiten. Wäre die Demokratie so, wie sie mal gedacht war, dann ginge die Macht im Staate vom Volke aus, also unter anderem von mir. Dann wäre ich der Souverän und könnte mir nach Herzenslust Fabergé-Eier kaufen. Aber Demokratie ist quasi wie Nusspli im Nutellaglas, es ist nicht das drin, was draufsteht. Ich darf zwar ein Kreuzchen malen, aber ich darf nicht mitbestimmen, was beispielsweise mit dem Geld passiert, das jeden Monat so unspektakulär und anonym von meinem Konto verschwindet. Ich wäre sonst entschieden dagegen, dass davon in irgendwelchen armen Ländern für Demokratie und Menschenrechte herumbombardiert wird, und ich wäre auch dagegen, dass es in investmentbankerische Gierschlünde gestopft wird. Allerdings interessiert niemanden meine Meinung zu solcherlei Tun; wäre meine Meinung relevant, würde man mich dafür erschießen, anstatt das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Verfassung zu verankern. Ebensowenig relevant ist in Königreichen des Volkes Meinung zum Sinn und Zweck königlicher Fabergéeiersammlungen.

Jedoch hat ein König im Gegensatz zu einer Demokratie einen entscheidenden Vorteil, man kann ihn nämlich im Zuge einer Revolution aus seinem königlichen Palast zerren, ihn eine Weile im königlichen Kerker aufbewahren und alsdann vor ein Revolutionstribunal stellen und gegebenenfalls enthaupten. Machen Sie das mal mit einer Demokratie! Rathäuser, Länderkammern, Ministerien, Parlamente – da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll mit dem Herauszerren, und auch die Aufbewahrung der Herausgezerrten würde sich angesichts des desolaten Zustandes unserer Strafanstalten ausgesprochen schwierig gestalten. Auch bei der Durchführung der bei Revolutionen obligatorischen unkontrollierten Blutorgie sehe ich gewisse organisatorische Schwierigkeiten auf die Revolutionstribunale zukommen.

Man hätte das mit der Demokratie gar nicht erst anfangen sollen, jetzt wird man’s nicht mehr so einfach los wie weiland in besseren Tagen seine Könige. Was soll’s, ich geh jetzt Lindenstraße gucken und mich betrinken wie jeden Sonntagabend, und wenn wieder irgendwo ein Feuerwerk ist, ignorier ich das einfach.

© 2010 Bianka Tewes – Sehnsucht nach Monarchie

Foto: © Mona Otto/ PIXELIO

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8 Kommentare zu Sehnsucht nach Monarchie

  • michel

    Korrekt, Bin auch für eine Königin, wenn sie wie Sissi ist. Aber bei einem Inzuchtwurf wie Merkl oder Westerwillie hätte ich lieber gleich das Revolutionstribunal und die Blutorgie.
    Scheiß Demokratie! Abwählen ist langweilig.

    • Geiler Depp

      Der Thronfolge nach wäre es noch viel schlimmer: Statt Merkl oder Westerwillie wäre nämlich heute “der geile Depp”, Carl Alexander Franz Joseph Wilhelm Ernst Meinrad, Prinz von Hohenzollern evt. unser Kaiser.

      Zur Erinnerung: Das ist der geistig zurückgebliebene Sprößling der Hohenzollern (die Inzucht lässt grüßen), der in den 90er Jahren bei Ramschkönig Werner Metzen in einem seiner Ramschläden gearbeitet und Gasmasken aus alten NVA-Beständen für 1 € verkauft hat. Später hat er dann die 30 Jahre ältere bürgerliche Ex-Pornodarstellerin Angelika Stölzle geehelicht…

      Also ich fänds schon irgendwie cool, wenn die beiden unsere Staatsoberhäupter wären ;-)

  • Sind wir nicht nur alle 4 Jahre Umworben von unseren Politikern? :oops: Bei der Monarchie hätten wir öfters eine Revolution :roll: Da wäre was Los! ;-)
    Wenn nutr unsere Politiker mehr auf das Wohl des Volkes schauen.

    mit sonnigen Grüßen Sepp :cool:

  • Slamek Oswalek

    Aber unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht doch irgendwie auch aus wie ein Fabergé-Ei.

  • Hallo, warum auf die Adeligen gucken. Selber ein Adeliger werden. Einfach durch Heirat oder Adoption. Wie? Weitere Informationen gibt es auf http://www.adelstitel.us/german.html Denn Adel fängt im Inneren eines jeden Menschen an. Dann noch den Titel kaufen, wie die Fugger es auch gemacht haben. Und schon sind wir innerlich und äußerlich geadelt.

  • Alles hat Vor- und Nachteile. In einer Monarchie lassen sich Veränderungen besser durchsetzen. In unserem politischen Konzept, könnte einer ne noch so gute Idee haben, er kann sie nicht durchsetzen, weil er nur an einem Ende des Tau´s ziehen kann!

    • Der Josy

      Stimmt. Vor allem Veränderungen, die durch langjährige Kriege entstehen, lassen sich ohne Demokratie wesentlich schneller durchsetzen. Seit das Volk ein paar Gramm mehr mitzubestimmen hat, stehen unsere Panzer nur noch sinnlos in den Baracken rum. Ich sage: Ein Alleinherrscher muss her, und dann fangen wir am besten auf der rechten Seite an: Über Österreich, Bosnien und Albanien bis nach Griechenland (die müssen sowieso weg) alles befreien und Südostdeutschland draus machen!

    • Bianka

      Wie jetzt … hat man das abgeschafft mit den Kreuzchen, und die Wahlen werden durch Tauziehen entschieden? :shock:

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