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Selbstmord-Verzicht fürs iPhone!

Schild "Selbstmord Verboten"Peking: Beim taiwanesischen iPhone-Hersteller Foxconn haben sich seit Beginn dieses Jahres 11 Mitarbeiter das Leben genommen. Die meisten stürzten sich aus Hochhäusern in den Tod. Foxconn hat inzwischen reagiert und endlich Gegenmaßnahmen eingeleitet: Das Unternehmen ließ die Beschäftigten eine Selbstmordverzichtserklärung unterzeichnen.

Die Mitarbeiter erlauben außerdem mit ihrer Unterschrift dem Unternehmen, sie “zum eigenen Schutz und dem anderer” in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer “anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein”.

Prof. Dr. Dr. Oswalek – unser Spezialist für psychische Auffälligkeiten im Beruf – hat bereits seine Hilfe angeboten.

Doch warum sind die Mitarbeiter so verzweifelt? Was bewegt sie dazu, sich das Leben zu nehmen? Sind schlechte Arbeitsbedingungen verantwortlich? Ein zu rigider Führungsstil?

Einem unserer Auslandskorrespondenten gelang es, Kontakt zu einem Foxconn Mitarbeiter des mittleren Managements herzustellen. John Chong (Name v. d. R. geändert) – 34 Jahre, aufstrebender Diplomökonom aus der Provinz Hunan – stand uns heute in einem Telefoninterview Rede und Antwort.

Peking © Torsten Weidemann / PIXELIO / www.pixelio.de

Die Redaktion: Herr Chong, was läuft denn da in Ihrem Unternehmen falsch? Warum nehmen sich so viele Foxconn-Mitarbeiter das Leben?

John Chong: In unserem Unternehmen läuft gar nichts falsch! Wir machen gute Gewinne. Die Mitarbeiter sind das Problem. Die müssen sich endlich mal eine positivere Lebenseinstellung aneignen!

Die Redaktion: Die Beschäftigten und verschiedene Arbeitsrechtler führen die langen Arbeitszeiten, hohen Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin und schlechte Behandlung durch Vorgesetzte ins Feld… Wie sollen sich die Mitarbeiter da eine positive Lebenseinstellung aneignen?

John Chong: Alles Quatsch! Wir haben keine schlechten Arbeitsbedingungen. Die Medien sind schuld. Die breite Berichterstattung hat die Mitarbeiter zur Nachahmung verleitet und die Selbstmorde zu einer Art Modewelle gemacht!

Die Redaktion: Aber die Medien können auch nur über Suizide berichten, die sich bereits zugetragen haben. Wer trägt dann für die ersten Selbstmorde die Verantwortung?

John Chong: Na, die Mitarbeiter natürlich! Mit ihrer chronischen Unzufriedenheit. Was kann Foxconn denn dafür, wenn die mit ihrem Leben nicht klarkommen? Wir haben sogar einen Swimmingpool für die gebaut und eine Telefon-Hotline eingerichtet, an die sich Mitarbeiter mit emotionalen Problemen wenden können. Die leben doch wie die Maden im Speck!

Die Redaktion: Nun, ein Mitarbeiter mit einer 72-Stunden Woche verdient im Schnitt etwa 2.000 Yuan (238 Euro) im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von 0,83 Euro. Kann man da wirklich ernsthaft behaupten, die leben wie die Maden im Speck?

John Chong: Die sollen doch froh sein, dass sie heutzutage überhaupt Arbeit haben! Außerdem weiß ich gar nicht, was diese ganze Diskussion soll. Mit einer Suizidquote von gerade mal 2,2 Selbstmorden im Monat liegen wir im internationalen Vergleich gar nicht schlecht. Und ein bisschen Verschnitt hat man überall. Außerdem haben wir ja jetzt reagiert…

Die Redaktion: An den Arbeitsbedingungen haben Sie aber nichts geändert. Die Mitarbeiter mussten statt dessen eine Selbstmordverzichtserklärung unterzeichnen. Uns erscheint das – mit Verlaub gesagt – etwas… zynisch. Warum stellen Sie nicht gleich “Selbstmord-Verboten-Schilder” in Ihren Werken auf?

John Chong: (überlegt…)

Die Redaktion: Und was geschieht, wenn sich dann doch wieder jemand umbringt? Müssen die Hinterbliebenen Foxconn dann für den Arbeitsausfall Schadensersatz leisten? Oder beabsichtigen Sie, die Leichen der Selbstmörder zur Abschreckung in den Fabriken aufzuhängen?

John Chong: (…macht sich Notizen) Hervorragende Idee!

© 2010 Slamek Oswalek – Selbstmord-Verzicht fürs iPhone!

Foto: © Torsten Weidemann / PIXELIO


Weiterführende Informationen:
Spiegel Online: Aktuelle Artikel über Foxconn


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Nachtrag 08.06.2010: Inzwischen hat es weitere Reaktionen gegeben…
Selbstmord Foxconn iPad Karikatur

© Klaus Stuttmann Stuttmann Karikaturen

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Selbstmord-Verzicht fürs iPhone!, 4.2 out of 5 based on 9 ratings

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8 Kommentare zu Selbstmord-Verzicht fürs iPhone!

  • Walter

    Gut auf den Punkt gebrachte Realsatire! Ich habe gestaunt, als ich davon in den Nachrichten gehört habe. Selbstmordverzichtserklärung – auf sowas muss man erst mal kommen! Vermutlich ein versicherungstechnisches “Geschenk” an die Menschheit.

  • schwörbl

    Meine Meinung: Als satire schwch, da nichts überraschendes hinzugefügt wird. da ist die Zeitungsmeldung viel stärker als der kabarettistische Beitrag hinterher. Um da drüber zu kommen, müsst ihr schon noch stärker reinhauen.

    • Sabine

      Sehe ich anders. Ich habe mich in meiner Diplomarbeit ausführlich mit dem Thema Satire befasst. Als Stilmittel kann eine Satire natürlich etwas Überraschendes hinzufügen (wie du schreibst) bzw. übertreiben – und tut das auch häufig – muss sie aber nicht. Das ist ja nur ein Stilmittel unter vielen. Polemik, Didaktik, Belustigung und die pointierte Darstellung eines eigentlich nichtsatirischen Vorfalls, der aufgrund seiner Absurdität schon per se satirisch wirkt, sind ja ebenfalls Stilmittel der Satire. Und letzteres hat der Autor nach meinem Dafürhalten sogar gut bewältigt. Und indem er dem (wohl fiktiven) Interviewpartner zwischen und in den Zeilen die Unfähigkeit attestiert, sich auch nur annähernd in die Mitarbeiter hineinzuversetzen und von seiner ökonomischen Perspektive zu abstrahieren, fügt er ja sogar etwas hinzu. Mir hat gut gefallen, dass der Interviewte die ironischen Anspielungen des Interviewers (z.B: “Warum stellen Sie nicht gleich Selbstmord-Verboten-Schilder auf?”) nicht als Absurdität erkennt und sich von ihnen distanziert, sondern sie in seiner Borniertheit für bahre Münze nimmt und als “gute Vorschläge” notiert und mit nach Hause nimmt. Weiter so!

      • Mike

        Ich finde es jetzt nicht unwitzig, BOMBIG ist es aber auch nicht. Die Unfähigkeit sich in Mitarbeiter hineinzuversetzen ist ja Grundvoraussetzung und ein alter Hut. Und eine Figur wie der Typ vom Unternehmen, da ist es unglaubwürdig, dass der nicht selbst drauf gekommen ist, die Leichen der Toten aufzuhängen, sondern noch diesen Interviewschnösel braucht, damit ders ihm erzählt. Bombig knallig wärs zum Beispiel gewesen, wenn im Interview rausgekommen wäre, dass die Selbstmorde gar nicht unerwünscht sind, sondern gefördert werden, aus irgendeinem zynischen Grund. das ist für mich Satire. Aber gut, trotzdem auch Weiter so, nur noch besser :smile: !

  • michel

    Böser Zynismus gegen ein seriöses Unternehmen. So was kann man nicht bringen.
    Und überhaupt “selbstmord”, das is ja garnich bewiesen, die doofen Schlitzaugen sind wahrscheinlich nur zufällig von irgendwelchen Häusern runtergefallen. Man sieht ja ständig so asiatische Reisegruppen, die total orientierungslos durch die Gegend laufen….
    Zuviel Reis ist halt Scheiße.

  • Johnnie

    Bin mal gespannt, wann die auf die Idee kommen, die Beerdingungskosten für ihre Mitarbeiter einfach auf die iPod-Preise zu schlagen + von den Verbrauchern bezahlen zu lassen.

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