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Skandalberatung für Politiker

Skandalberatung für PolitikerIst Ihnen das auch schon aufgefallen? Es geht bergauf mit Deutschland! Vor ein paar Jahren noch miesepeterte die grämliche Zunft der Demographen, die Deutschen stürben aus. Mittlerweile scheint sich der Bestand aber erholt zu haben, denn nur eine kleine Unterart steht noch auf der Roten Demographischen Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, nämlich die Fachkräfte.

Die Fachkraft, so kann man in jedem engagierten Zeitungskommentar lesen, ist in Deutschland beinahe ebenso selten geworden wie das Sumatra-Nashorn auf Sumatra. Auf Sumatra jedoch dürfen die Freunde und Fans des Sumatra-Nashorns ein zartes Pflänzchen der Hoffnung hegen, denn kürzlich wurden zwei Sumatra-Nashorn-Weibchen mit je einem männlichen und einem weiblichen Kälbchen gesichtet, und wer sich einigermaßen in der Biologie auskennt, der weiß, was das bedeutet.

Warum das Sumatra-Nashorn überhaupt zum Aussterben neigte, weiß man hingegen nicht. Bestimmt wegen irgendsoeinem abergläubischen Blödsinn, weil man zum Beispiel aus Nashornteilen Potenzmittel gebraut hat, bis fast keine Nashörner mehr übrig waren oder so. Ebenso unerklärlich ist das Aussterben der deutschen Fachkraft, denn vor einigen Jahren gab es noch derart viele deutsche Fachkräfte, dass gar nicht genug Arbeit für alle Fachkräfte da war, weswegen ganz viele Fachkräfte sich andere Berufe suchen mussten. Ich zum Beispiel war auch mal eine Fachkraft, aber seit einigen Jahren bin ich Ladenkassiererin.

Ladenkassiererin ist kein schöner Beruf. Wenn man junge Menschen heutzutage fragt, was sie denn mal werden wollen, wollen die jungen Menschen gerne Model werden oder Gesangssternchen oder Daniela Katzenberger. Ladenkassiererin hingegen will keiner werden. Als Ladenkassiererin steht man den lieben langen Tag hinter einer Ladenkasse, die entweder klemmt oder nervige Geräusche macht, und entwickelt ein tristes Weltbild, nach welchem achtzig Prozent der Menschheit aus alten Männern bestehen, die sich mit alten Witzen und alten Eukalyptusbonbons die Zuneigung von Menschen erkaufen wollen, die hinter einer Ladenkasse stehen. Die restlichen zwanzig Prozent haben schmutzige Fingernägel und neunundneunzig Cent klein.

Nashorn | © Peter Fenge / PIXELIO / www.pixelio.deWer an der Ladenkasse überleben will, braucht Perspektiven. Auch wenn es an der Ladenkasse nicht schön ist, kann man nicht einfach so von der Ladenkasse und den dort angesammelten klebrigen Eukalyptusbonbons weggehen und wieder Fachkraft sein und Deutschland vor dem Untergang retten. Nach Jahren an der Ladenkasse ist man für den Fachkräftearbeitsmarkt in etwa so interessant wie eine Dose Potenzpulver für einen zoologischen Garten mit Sumatra-Nashorn-Zuchtprogramm. Man muss also, will man der Ladenkasse dennoch entfliehen, kreativ werden und gänzlich innovative Berufsfelder ersinnen, will man nicht irgendwann in Eukalyptusbonbons untergehen. Und darum habe ich beschlossen, Skandalerfinderin zu werden.

Was man an einer Ladenkasse auch schnell lernt, ist, dass die Politiker an allem schuld sind. (Daran, dass Männer alt werden und dass Fingernägel schmutzig werden und überhaupt an allem.) Wenn dann mal alle Jubeljahre einer auftaucht, der an noch gar nix schuld ist, weil er bislang auch noch gar nix gemacht hat – wie Herr zu Guttenberg zum Beispiel, dessen herausragende Leistung lange darin bestand, in Flecktarn im Wüstensand zu stehen und bei den Soldaten gut anzukommen -, dann sind immer alle ganz begeistert und faseln was von Hoffnungsträger und neuem Politikertypus. Selbst an Ladenkassen wird derlei gefaselt.

Dass es mit Herrn zu Guttenberg ein schlimmes Ende nehmen würde, habe ich schon frühzeitig geahnt. Ich bin ja von Natur aus von eher kindlichem Gemüt, dem die Welt oft sonderbar erscheint und welches vom sesamstraßenen Drange getrieben wird, all dem Sonderbaren auf dieser Welt auf den Grund gehen zu wollen – wie kommt der Schmutz unter den Fingernagel, was unterscheidet das Sumatra-Nashorn vom afrikanischen Breitmaul-Nashorn, und was zum Teufel hat eigentlich Herr zu Guttenberg bislang so Bahnbrechendes geleistet. (Außer in Flecktarn im Wüstensand herum zu stehen und bei den Soldaten gut anzukommen, Offiziere zu feuern und der Wahnidee zu verfallen, man könne jetzt die Wehrpflicht einfach deswegen abschaffen, weil er bei den Soldaten derart gut ankommt, dass die jungen Menschen der Bundeswehr die Hütte einrennen, um auf Segelschiffen aus der Takelage zu fallen oder uneinsichtigen Wüstenbewohnern als Zielscheibe zu dienen.)

Herrn zu Guttenbergs große Leistung neben all diesen bemerkenswerten Werken bestand, so das Ergebnis meiner herausragenden Recherche, darin, bislang nicht durch Skandale aufgefallen zu sein. Das hätte Herrn zu Guttenberg zu denken geben sollen. Mir gab es ja schließlich auch zu denken, und ich bin bloß Ladenkassiererin. Wenn man erstmal dadurch auffällt, dass man bislang nicht unangenehm aufgefallen ist, dann tut man gut daran, schleunigst ein Skandälchen aus dem Hut zu zaubern, bevor es jemand anders tut.

Ladenkasse | © Barbara Gromann / PIXELIO / www.pixelio.deUnd da sehe ich meine ganz große Chance, endlich der Ladenkasse und den Eukalyptusbonbonbergen zu entrinnen. Für alles und jeden gibt es Berater – ungezogene Blagen, gestörte Köter, versiffte Restaurants, überhaupt: An jeder Art von verkrachter Existenz verdient sich ein Beraterheer dumm und dusselig, bloß ich steh mit all meinen vielen Talenten an meiner doofen Ladenkasse und muss in altersschwachen Kleinwagen rumgurken. Damit muss jetzt Schluss sein, weswegen ich den post-guttenbergschen Jungpolitikern zurufe:

Liebe post-guttenbergsche Jungpolitiker! Lernen Sie doch bitte aus dem tragischen Schicksal Ihres einst so hoffnungsvoll gestarteten Vorgängers. In einer Welt voller schmutziger Fingernägel rennt man nicht mit weißer Weste rum! Wenden Sie sich daher rechtzeitig an Bianka Tewes Black Spot Consult. Ich promote Ihr Skandälchen! Sie haben schon mal ein Kind geschubst, dem Nachbarn die Zeitung geklaut oder Satan eine Katze geopfert? Stehen Sie lieber mit meiner Hilfe dazu, bevor irgend so ein Sozialneider auf die Idee kommt, Sie mal so richtig durch den Wolf zu googlen und die wirklich fiesen Leichen aus Ihrem Keller zu zerren!

Denken Sie pragmatisch, was soll Ihnen schon passieren? Sie sind schließlich Politiker! Ihr abgestumpftes Wahlvolk können Sie selbst mit Lug, Betrug und Korruption nicht überraschen, das erwartet nichts anderes von Ihnen und nimmt’s auch klaglos hin, wenn Sie wegen Luges, Betruges und Korruption Ihres politischen Amtes verlustig gehen und Ihre Fähigkeiten statt dessen in Aufsichtsräten irgendwelcher Konzerne zu wirkungsvoller Entfaltung bringen (wo sollten Sie auch sonst hin, an einer Ladenkasse wären Sie mit Ihren Talenten ja dann doch eher kontraproduktiv.)

Melden Sie sich bei mir – bevor andere Sie bei Google melden!

© 2011 Bianka Tewes – Neuer Trend: Skandalberatung für Politiker

Fotos: © Peter Fenge | © Barbara Gromann / PIXELIO

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