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Nach der Euro-Krise

Wie Deutschland gerettet wurde {1}

© Christian Holzapfel / PIXELIO / www.pixelio.deBerlin, im Mai 2049. Die früher freie deutsche Journalistin und Schriftstellerin Ulrike Glas erinnert sich in ihrem Aufsatz „Vom Clou zum Schuh“ an die Rettung Deutschlands im Jahr 2016.
Hautnah dabei war Ulrike Glas oft, wenn es darum ging, über brandaktuelle gesellschaftliche Themen zu berichten. 2016 war sie eine der wenigen, die über den geheimen Modellversuch der deutschen Regierung zur Rettung Deutschlands informiert wurde. Die heute 88jährige verrät uns ein wenig, wie es damals war:

‟Damals … wusste die Öffentlichkeit so gut wie nichts. Deutschland war schon seit Anfang 2013 wie gelähmt. Die Regierung sprach von Zusammenarbeit, aber sie hätte es kaum geschafft, gemeinsam eine Knorr-Hühnersuppe aus der Packung zuzubereiten. Später ging Griechenland pleite, Bankenkrisen erschütterten das Land, die Arbeitslosigkeit stieg einzig nicht, weil Billiglohnjobs zunahmen, die Kassen waren leer und es gab eine große Wirtschafts- und Steuerflucht ins Ausland. Ebenfalls ins Ausland geflohen (und untergetaucht) waren dann im Dezember 2013 auf einen Schlag alle Mitglieder der damaligen Koalitionsregierung sowie die Bundeskanzlerin Angelika Eisenkopf.

Auf Neuwahlen wurde verzichtet, weil sich die SPD und die GRÜNEN bereits vorher ersatzlos aufgelöst hatten (ohne dass jemand das groß bemerkt hatte) und die LINKE sowieso keinen Bock hatte, zu regieren. Es bildete sich eine neue Regierung aus CSU und der F.D.P., deren erste Amtshandlung es war, den Bundestag abzuschaffen. Den Bundeskanzler stellte Bernd Bockgartner von der F.D.P.

Im Januar 2016 erhielt ich eine Einladung des Bundeskanzlers nach Bayern. Es ging um die Präsentation eines Modellversuchs zur Rettung Deutschlands mit dem Namen ‘Neuer Standort Deutschland Plan’. Auf dem Programm standen zuerst eine Expertenanhörung und tags darauf die Besichtigung einer Schuhfabrik in Weilheim. Außerdem sollte ich mich auf einen längeren Aufenthalt einstellen. Meine Person und andere herausragende Journalisten sollten mit Angestellten der Schuhfabrik zusammentreffen, um uns ein Bild vom ‘Neuen Standort Deutschland-Plan’ zu machen.

In der Anhörung trafen wir auf eine Reihe hochrangiger Wirtschaftsexperten wie den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Köter und den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Kock.
Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Fortschrittsfeindliche Organisationen wie Gewerkschaften, Sozialverbände und Universitäten sollten an der Diskussion gehindert werden, um eine negative Voreingenommenheit in der Bevölkerung zu vermeiden. Eine positive Stimmung war wichtig. Ich war stolz, dabei zu sein.

© Andrea Damm / PIXELIO / www.pixelio.deWir erhielten ein bahnbrechendes Thesenpapier. Es müsse darum gehen, so war zu lesen, die Deutschen aus der Depression zu führen. In einer zunehmend von materialistischem Denken dominierten kapitalistischen Gesellschaft war der Blick verbaut auf die grundlegenden emotionalen Bedürfnisse der Menschen.
War es nur Geld, das glücklich machte? War Freiheit die Garantie für ein erfülltes Leben? Gab es nicht gesellschaftliche Modelle statischer Ordnung, in denen Menschen zufriedener gewesen waren als heute? Suchten nicht Menschen aller Epochen nach ihrem festen Platz in der Welt?

Wir erfuhren, man habe die Stadt Weilheim zu einer separaten Zone gemacht, in der seit kurzem ein innovatives wirtschaftliches System gelte, inklusive separater Steuergesetze und separatem Bürger- und Staatsrecht. Weilheim war abgeriegelt, es galt absolute Nachrichtensperre – ob Telefon, Handy oder Internet – es gab keinerlei Möglichkeiten, Informationen aus Weilheim nach draußen zu bringen. Panzerwagen bewachten die Zufahrtsstraßen. Es war wahnsinnig aufregend!

Am zweiten Tag gab es den berühmten Besuch der Weilheimer Schuhfabrik, den ‚Knobelbecher-Gang’ (wie er später in den Geschichtsbüchern genannt wurde), wo wir Journalisten Gelegenheit bekamen, mit Weilheimer Arbeitnehmern (wie sie damals noch genannt wurden) zu sprechen.
Als Erstes hörten wir die Rede des Weilheimer Bürgermeisters Rudolph Riebel. Er informierte uns, dass Weilheim auf Grund des neuen Modells die Arbeitslosenquote auf null Prozent gedrückt habe: Vollbeschäftigung! Da fielen uns natürlich die Plomben aus den Zähnen.

Der Vorarbeiter der Schuhfabrikhalle, ein dürrer Mann namens Bernhard Bündig in einem blaufarbenen Flanellhemd, betrat das Podium und erzählte mit breitem Gesicht und einer Miene, als hätte er kurz vorher draußen das Christkind getroffen, dass er endlich wieder ruhig schlafen könne: ‟Das Schlimmste für uns Schuhfabrikarbeiter war die Angst vor der Kündigung, dass wir kein Dach mehr über dem Kopf haben und unsere Kinder nicht mehr ernähren können”, erklärte er. ‟Und ich sogar, obwohl ich gar keine Kinder habe.“ Aber das sei jetzt glücklicherweise vorbei, weil (zumindest in Weilheim) sei Deutschland jetzt endlich wieder ‟international wetterderbsmäßig in den Breiten der Zierung“, sagte er und schaute zum Bürgermeister, als er fertig war…

[Weiter zu Teil 2: Unter anderem: Der Bürgermeister korrigiert den Vorarbeiter, der Bundeskanzler erklärt, warum es zuletzt nicht so lief, und der Vorhang wird gelüftet!]

© 2012 Robert Reitz – Wie Deutschland gerettet wurde

Fotos: Brandenburger Tor © Christian Holzapfel | Deutschlandflagge © Andrea Damm PIXELIO

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