Share |
19 Besucher online


Satiren Suchen

Folge uns auf Twitter

SatireClips bei Twitter

Folge uns auf Google+

SatireClips bei Google+

Letzte Kommentare

SatireClips Newsletter

SatireClips RSS-Feed

Nach der Euro-Krise

Wie Deutschland gerettet wurde {2}

© Christian Holzapfel / PIXELIO / www.pixelio.deWas bisher geschah…

Die Angst vor der Arbeitslosigkeit habe alle ganz verrückt gemacht, aber das sei jetzt glücklicherweise vorbei, weil (zumindest in Weilheim) sei Deutschland ja jetzt endlich wieder ‟international wetterderbsmäßig in den Breiten der Zierung”, sagte Schuhfabrikarbeiter Bernhard Bündig und schaute zum Bürgermeister, als er fertig war.

‟Er meint wettbewerbsfähig”, sagte der Bürgermeister und wandte sich zu uns Journalisten, ‟in den Zeiten der Globalisierung… Das Entscheidende für diese Arbeiter … Menschen … hier ist, dass sie Sicherheit haben und dass sie … dazu gehören. Das Schlimmste für einen Arbeitslosen oder auch Rentner ist doch das Psychologische … das Gefühl, überflüssig zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden. Es ist menschliche Bindung, die zählt.”

Mich hielt es jetzt nicht mehr auf dem Sitz, ich sprang auf, ergriff das Wort und fragte Bernhard Bündig, ob er glaube, sich seines Arbeitsplatzes jetzt bis zur Rente sicher zu sein. Bündig schaute zum Bürgermeister, blickte in die Runde der Journalisten und Kollegen und Politiker und sagte dann in eine gespannte Stille, die vollkommener nur in den Tiefen des Universums zu finden ist: Er wisse nicht so recht, was genau ich jetzt mit Rente meinte? Ich rief: ‟Na, eben Rente!“ Und als Herr Bündig nichts mehr sagte, sondern nur wieder zu seinem Bürgermeister schaute, erhob sich Bundeskanzler Bockgartner und ergriff das Wort in der Schuhfabrik, dem Geburtsort des Neuen Standort Deutschlands.

Bockgartner erklärte, dass endlich verstanden worden sei, dass es die Politik – also der Staat – gewesen war, der Deutschland jahrelang gelähmt hatte – Regulation, Gesetze, pure Strangulation jedes Unternehmergeistes.
Da unterbrach ich: ‟Wie kann es in Weilheim Vollbeschäftigung geben, während deutschlandweit die Arbeitslosenquote bei 16 Prozent liegt?“ Ich war aufgeregt und wandte mich noch mal an den Vorarbeiter Bernhard Bündig, mit der Frage, wie viel er denn jetzt verdiene, aber statt zu antworten schaute er zum Bürgermeister, hob die Arme und ließ sie wieder sinken. Er sah aus, als hätte ich ihn gefragt, warum man nachts keinen Sonnenbrand bekommen kann. Dann fragte er mich, wie ich das jetzt genau meinte mit dem Verdienen?
Ich rief: „Verdienen eben! Lohn! Gehalt!“ Aber die letzte Silbe meines Ausrufs zitterte noch in der Luft, als bei mir ganz langsam der Groschen fiel – wie wenn eine schwere, teure, chinesische Blumenvase aus einer Dynastie des 14. Jahrhunderts unerreichbar weit weg in Zeitlupe von der Kommode kippt.

‟Verdienen ist das … alte Modell“, sagte der Bundeskanzler. ‟Wir müssen neue Wege gehen. Kein Lohn – keine Lohnnebenkosten. Aber: Dazugehören. Wir haben es geschafft in Weilheim, und wir werden es bundesweit schaffen. Kein Lohn – keine Streiks, keine Beschränkung der Arbeitszeiten, kein Altersruhestand und keine Rentenkassenproblematik mehr – nur noch die erfüllende Einheit von Betrieb und Mitarbeitern: Es ist das Wir-Gefühl, das zählt.”

Und er stellte den politischen Plan vor: Den Unternehmen und Konzernen war ab sofort erlaubt, einfach zu machen, was sie wollten, und zwar uneingeschränkt.
Warum war denn die Beschäftigung von Maschinen und Computern so billig im Vergleich zu Menschen? Weil man für sie keine Steuern oder Lohnnebenkosten zu zahlen hatte und weil sie … Eigentum der Unternehmen waren!
Und genau das war der Clou des neuen Systems, unübersehbar wie ein Rudel Flusspferde auf der Landstraße: Man hatte in Weilheim die Arbeitnehmer privatisiert und dem Unternehmenskapital hinzugefügt. Nach einem ausgeklügelten Schlüssel waren sie an die Unternehmen und Konzerne verteilt worden. Der Vorarbeiter Bündig gehörte jetzt der Schuhfabrik.

Neun Monate später installierte man dann das neue System in ganz Deutschland…

[Weiter zu Teil 3: Unter anderem: Mit Deutschland geht es bergauf, jeder wird für immer glücklich und für die Journalistin gibt es eine neue, wichtige Aufgabe!]

© 2012 Robert Reitz – Wie Deutschland gerettet wurde

Foto: Brandenburger Tor © Christian Holzapfel PIXELIO

VN:F [1.9.8_1114]

Bewertung abgeben:

Rating: 3.9/5 (7 votes cast)
Wie Deutschland gerettet wurde {2}, 3.9 out of 5 based on 7 ratings

  • PDF
  • email
  • RSS
  • Add to favorites

Dieser Beitrag wurde 2831 x angesehen.


Lesen/Schauen Sie auch folgende Satiren:

Lädt...

1 Kommentar zu Wie Deutschland gerettet wurde {2}

  • DiegoM

    Warum war denn die Beschäftigung von Maschinen und Computern so billig im Vergleich zu Menschen? Weil man für sie keine Steuern oder Lohnnebenkosten zu zahlen hatte und weil sie … Eigentum der Unternehmen waren!

    Klingt ordentlich böse…. aber haben wir nicht schon längst “human ressources” statt Mitarbeiter???

Gib einen Kommentar ab:

 

 

 

Du kannst diese HTML tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>