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WM 2010: Brot und Spiele

Brot und Spiele

Endlich ist mal wieder was Wichtiges los. Für das man sich einsetzen kann. Für das es sich lohnt, gemeinsam auf die Straße zu gehen, Fahnen zu schwenken und Lieder zu singen.

Nein, nein, ich spreche nicht davon, Demonstrationen und Protest zu organisieren gegen die Regierung, die eben mal schnell die Kosten zur Rettung der Reichen, Vermögenden und Kapitalbesitzer dem Volk (also uns) aufhalsen will. Wegen so was gehen wir doch nicht auf die Straße!

Das heißt, vielleicht würden sogar ein paar von uns so was eventuell machen. Wenn es nicht was Wichtigeres gäbe. Ihr fragt, was wichtiger ist als unser Geld und unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen?! Natürlich die WM, die Fußball-WM, und vor allem unsere Nationalfußballjungs.

Die Regierung weiß das schon längst. Oder glaubt irgendwer, dass es Zufall ist, wenn die gröbsten Maßnahmen in Richtung Sozialabbau jedesmal pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft auf die Tagesordnung kommen? Wenn sich sowieso niemand dafür interessiert? Weil es notwendiger ist, dabei zuzuschauen, wie unsere Nationalfußballjungs den Titel holen oder den zweiten, dritten, sechsten oder zwölften Platz, von dem wir dann alle was haben, nicht bloß die Reichen. Weil wir ja schließlich alle Deutsche sind. Oder sagen wir: fast alle.

Das alles haben ja die alten Römerkaiser schon gewusst und sogar extra Brot-und-Spiele organisiert, um das darbende Volk abgelenkt zu kriegen. Vielleicht gibt es ja die WM nur, damit man das Volk alle vier Jahre in den Arsch ficken kann, während dessen angeborenes Bedürfnis, gröhlend durch die Straßen zu ziehen (und gelegentlich auf den Asphalt zu kotzen) bei den Spielen ausreichend befriedigt wird? Denn wenn nur ein Zehntel der Leute, die wegen der WM auf die Straße gehen, aus Protest gegen die Regierungspolitik auf die Straße gingen, dann könnten die das ja gar nicht lange machen.

Das heißt ja aber doch, dass wir sozusagen als Volk doch recht wichtig sind. Wer auch immer von der WM so richtig profitiert – ohne uns als Zuschauer und Deutschlandfähnchenkäufer wäre eine solche WM gar nicht denkbar. Das gilt auch für die Afrikaner.

Stelle man sich nur mal Fernsehübertragungen aus WM-Stadien vor – ohne uns, die tanzenden, singenden und Vuvuzela-trötenden Fans! Niemand würde das sehen wollen, und nirgendwo gäb’s WM-Marketing und bald darauf auch keine Fußballprofis mehr! Aber unverständlicherweise werden wir nicht für diesen harten Einsatz gewürdigt und entlohnt. Nein, wir müssen für unsere Teilnahme und die Ausstattung, für den Stadioneintritt, die Trikots, Fahnen und Vuvuzelas sogar noch selbst bezahlen, und zwar nicht zu knapp.

Und das ist schon ein bisschen viel verlangt, finde ich.

© 2010 Madzimoyo Motseki – Brot und Spiele


Weitere Texte zur Fußball WM 2010:
Tod den Vuvuzelas!


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11 Kommentare zu WM 2010: Brot und Spiele

  • so

    lool hm…is was dran

  • michel

    Jaja, dat stimmt. Ich organisiere regelmäßig große Katzenpuzzelmeisterschaften und niemand kommt hin, keine Zuschauer, kein Fähnchengeschwenke und keine Plastiktröten. Nicht mal Leute zum Puzzeln selbst kommen.
    Dabei wär dat so toll.
    Hooligens von den Katzenpuzzelvereinen, die sich gegenseitig verkloppen, Polizeiaufgebote, mit denen man sich Straßenschlachten liefern kann, Besoffene, die randalieren …
    Aber nix is. Alle gucken se nur nach dem doofen Fußball.
    Und die Merkel, diese Bitch, die macht ihre miesen Gesetze wie se will, egal ob gerade die Meisterschaft des Katzenpuzzels der Superunbeirrbaren (KPdSU) oder das Katzenpuzzeldeutschland (KPD) am Start ist.
    Katzenpuzzel wäre so ne tolle Alternative zum Fußball oder der Merkelbitch.
    Oder so.

    • jo

      miche: bist du besoffen? was ist katzenpuzzel? hä?

      artikel ist schon wahr. keiner kümmert sich drum, was die regierung treibt -> wm. veranstalter von demos gegen politik raufen sich die haare. bei nem match kommen hunderttausende auf die plätze, bei ner demo nicht mal 10 prozent. stimmt schon. deutschland schläft. und nach dem erwachen nach der wm sind die gesetze gemacht.

  • egal

    lol, da ist was dran?
    alter schwede, gut nacht deutschland, weiterschlafen bitte…
    goot die deutschen sind vielleicht dämlich,die ham es echt nicht anders verdient.

    das ist nicht lol du pfeiffe

  • Der Josy

    Wer kann, der kann.

    Klar, die Zuschauer und Fans sind beim Fußball Teil der Inszenierung.
    Nur mit Stars geht’s nicht, es braucht auch Statisten. Wie in einem Actionfilm (oder zB so was wie “Gladiator”).

    Nur: In Hollywood werden die für’s Mitmachen bezahlt und bekommen die Kostüme umsonst -
    in Afrika müssen die für’s Mitmachen bezahlen und sich den Krempel selbst kaufen.

    Ist doch genial gemacht.

    Ist, als nähme ich ein Taxi und der Fahrer zahlt die Fahrt :smile: !

  • sok-23

    Ghana-Dtschld.

    100.000 in Berlin auf der Straße. Um für soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren? Um ein paar Millionären beim Soccen zuzuschauen.

    Tät uns gut zu verlieren!

  • Es ist schon verrückt, wie sich die Menschen hier in Berlin verhalten, nur weil ein paar Leute ein wenig Sport betreiben. Zum einen regt mich auf, wie Leute erklären, dass sie selber Weltmeister sind, obwohl sie gar nichts damit zu tun haben, wenn die deutsche Fußballnationalmannschaftsauswahl die beiden Spiele gewinnt.

    Weiterhin ist es interessant, sich anzuschauen, wie Menschen ihr Geld für Fahnen und Klamotten ausgeben, dass ihnen bald wegen erhöhter Krankenversichungsbeiträge fehlt.

    Weiterhin sind kollektive Ansammlungen bei 37°C sind nicht gerade kreislauffördernd. Ich wiederum lag während dem Spiel Deutschland – Argentinien in der Badewanne und wurde von Feuerwerksexplosionen gestört.

    Hinterher wollte ich nur einige Semmeln bei Penny kaufen und wurde auf ein paar Demonstranten aufmerksam, die für das deutsche Ergebnis auf die Straße gingen.

    Ihre Forderungen erschöpften sich indes auf wenige Begriffe, vor allem Namen.

    Was ich überhaupt nicht verstehe:

    Selbst bei einer Sportart, der ich selbst nachgehe, hätte ich kein Bedürnis irgendeiner Form, die deutsche Mannschaft derart auf mich zu beziehen oder zu behaupten, selbst Weltmeister zu sein.

    Ich hoffe sehnlichst, dass die deutschen Fußballer gegen Spanien und gegen Uruquay sehr schlecht spielen. Die Hybris der Deutschen ist nicht mehr zu ertragen.

    Das schlimme: Auch Frauen geben sich diesem Blödsinn hin, letztens sah ich eine mit einem schwarz-rot-goldenen Ohring.

    viele Grüße

    catulus

    • Kaiser

      Mir wird dieses Fahnengedöns auch bald zuviel. Und dieses unheimliche Siegesgetröte – der Sound erinnert mehr an Luftschutzalarm als an Freude…

      Und dann kam mir meine dicke Nachbarin entgegen und gröhlte: “So sehen Sieger aus!”
      Selbst du?, dachte ich, die du mit deinen 150 Kilo Übergewicht nicht mal hundert Meter in Schritttempo laufen könntest, bist also am Ende eventuell Fußballweltmeister?

      Und dann kam mir in den Sinn: Ja, gerade du wirst am lautesten “Sieg!” schreien – weil es in deinem eigenen jämmerlichen Leben keinen gibt. Und da kam Mitgefühl in mir auf für diese armen Kreaturen, die Fahnen und die Erfolge anderer benötigen, um sich mal zwischendrin als Gewinner fühlen zu können.

      Wie hieß das doch gleich? Identifikation mit der Macht?
      Und waren es auch nicht damals, kurz vor dem 3. Reich, nicht die gleichen armen Schweine, die sich gleich im kollektiven Rausch endlich gut fühlten?

      Ich sehe, hier geht es gar nicht um Fußball, es geht nicht um eine Sache, denn die wahren Fußballkenner sind wohl die, die sich ruhig die Spiele anschauen anstatt rumzuhopsen und zu schreien – denen geht es um eine Gelegenheit endlich Teil eines großen Ganzen zu sein ohne selbst viel dafür tun zu müssen:

      Denn sonst, da hat Motseki Recht, würden sie endlich für eigene Belange auf die Straße gehen und reale Gründe dafür erkämpfen, sich gut zu fühlen: etwas für sich selbst erreichen, auf das man stolz sein kann!

  • Jörg

    Frag doch deine dicke Nachbarin einfach mal, was sie mit Podolski oder (besser noch) Özil verbindet, wenn schon nicht das Körpergewicht.
    Die Sportart wohl auch nicht. Die kulturelle Herkunft? Das Monatsgehalt? Die soziale Haltung? Das Alter? Die Schuhgröße?

    Was verbindet mich denn mit anderen Deutschen? Was verbindet mich zum Bleistift mit Angela Merkel? Ok, beide sind wir nicht weiblich, nur: bei mir hängt es mit dem Geschlecht zusammen. Und sonst? Fehlanzeige!

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