Share |
10 Besucher online


Satiren Suchen

Folge uns auf Twitter

SatireClips bei Twitter

Folge uns auf Google+

SatireClips bei Google+

Letzte Kommentare

    C. - 06.06.16
    Ein Gott gibt auf {1}
    tabbi - 06.06.16
    Das Trennungsgedicht
    Christoph - 05.05.16
    Das Trennungsgedicht
    Robert Reitz - 20.03.16
    Einbürgerungstest: Verschollene Fragen aufgetaucht!
    Tom der Weise ? - 07.03.16
    Einbürgerungstest: Verschollene Fragen aufgetaucht!
    Tom der Weise ? - 07.03.16
    Einbürgerungstest: Verschollene Fragen aufgetaucht!

SatireClips Newsletter

SatireClips RSS-Feed

Produktinformationen aus dem Atomschutzbunker

Nasenspülsalz Overkill

Bei der Auswahl meiner Bettlektüre achte ich stets darauf, dass der Klappentext Formulierungen enthält wie: „Nervenzerfetzend“, „Furchteinflößend“ oder, ganz wichtig: „… wird Ihnen schlaflose Nächte bereiten.“

In mit derlei Attributen versehenen Büchern kommen nur ganz selten Dinge vor, die mich nervlich zerrüttet und angstschlotternd um den Nachtschlaf bringen: Dinge wie Zahnoperationen, eine Analyse der derzeitigen Arbeitsmarktsituation oder Überschwemmungen.

Stattdessen geht es in solcherart klappenbetexteten Büchern für gewöhnlich um irgendwelche gestörten Serienkiller, die massenweise attraktive Damen in dunklen Kellern oder einsamen Hütten in Stücke schneiden. Das finde ich weit weniger beunruhigend als zum Beispiel den Arbeitsmarkt oder Überschwemmungen und kann nach ein paar Seiten Blut und Gedärmen immer ganz fabelhaft entschlummern.

Ein schöner Nebeneffekt der Bettlektüre ist ja auch, dass man dabei eine Menge lernt. Zum Beispiel was Übertötung ist. Übertötung ist, wenn der gestörte Serienkiller immer noch mit dem Messer auf die attraktive Dame einhackt, obwohl doch schon längst ihr glamouröses Leben wie ein Film vor ihrem geistigen Auge abgelaufen ist und sich eine gnädige Dunkelheit auf sie herab gesenkt hat. Der gestörte Serienkiller könnte jetzt aufhören mit seinem vollkommen ineffizienten Weitergehacke, was er aber nicht tut, weil seine Mutter ihn immer gezwungen hat, rosa Bommelmützen zu tragen oder weil seine Schwester seine Pokemon-Sammlung durchs Klo gespült hat oder was auch immer. Das Leben ist ja oft sehr grausam zu Kinderseelen und lässt sie zu emotional verkrüppelten Erwachsenen heran reifen, die dann eben gestörte Serienkiller werden oder Produktverpackungsaufschriftendesigner. Jedenfalls ist mir bei diesen beiden Berufsgruppen schon häufiger ein auffallender Hang zur Übertreibung bei der ausgeübten Tätigkeit aufgefallen.

Auf der Verpackung, die mein Nasenspülsalz beinhaltet, werde ich zum Beispiel nicht nur darüber informiert, dass das Produkt zu 100 Prozent aus Natriumchlorid, in Klammern: Pharmazeutisches Kochsalz, besteht. Damit war zu rechnen. Woraus sollte Nasenspülsalz auch sonst bestehen. Dennoch ist es den Produktverpackungsaufschriftendesignern meiner Nasenspülsalzverpackung ein Bedürfnis gewesen, mich davon in Kenntnis zu setzen, dass das Nasenspülsalz nicht nur zu 100 Prozent aus pharmazeutischem Kochsalz besteht, sondern dass es darüber hinaus auch weder Konservierungsmittel noch Aromastoffe enthält.

Offen gestanden fühle ich mich hier als Konsument ein wenig überinformiert. Als Kind der Achtzigerjahre hege ich zwar immer noch eine irrationale Furcht vor der Atombombe und lebenslangem Bunkerdasein. Irgendwo müssen die ganzen Atombomben, die während meiner Jugendzeit fröhlich überall in der Gegend stationiert wurden, ja auch irgendwann mal hin, und da könnten die Atommächte, die ihren Schrott nicht länger hegen wollen, auf die Idee kommen, sie einfach im Rhein-Ruhr-Gebiet ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen, weil es hier doch eh schon aussieht wie nach einem Atomkrieg mit all den Bauruinen und den leeren Innenstädten. Deswegen sehe ich Produkte ohne Konservierungsmittel durchaus unter einem sehr kritischen Gesichtspunkt. Wenn man beispielsweise mit zwölf Paletten Ravioli in so einem Atombunker mehrere Jahre ausharren muss, dann sollten die aber voll bis zum Anschlag sein mit Konservierungsmitteln!

Auf einer Raviolidose macht der Warnhinweis auf das Nichtvorhandensein von Konservierungsmitteln also durchaus Sinn. Bei Nasenspülsalz hingegen will er mir nicht so recht einleuchten. Vielmehr macht er mich ratlos und unsicher. Sollte ich nach Nasenspülsalz mit Konservierungsmitteln Ausschau halten? Nachher sitze ich mit einer Tonne schimmeligem Nasenspülsalz im Bunker und versau mir die Schleimhäute! Und das Ganze auch noch ohne Aromastoffe, das kommt ja noch hinzu. Wenn man sein Leben im Bunker verbringt, dann möchte man vielleicht auch mal eine Nasenspülung mit Waldmeister- oder Bratwurstaroma durchführen. Stattdessen hat man nur Natriumchlorid mit Schimmelpilzen, da muss man ja den Lagerkoller kriegen.

Wie wir bis hierher gesehen haben, kann eine solche Übertötung der Produktinformation beim Endverbraucher durchaus Ängste schüren, die er ohne diese vollkommen sinnlose Aufzählung der nicht im Produkt enthaltenen Inhaltsstoffe gar nicht erst entwickelt hätte. Damit dieser kleine Exkurs in die Welt der Serienkiller, Atombomben und Verpackungsmittelaufschriftenverkorkser aber nicht allzu negativ auf Ihre Stimmung wirkt, möchte ich ihn mit der Präsentation einer außerordentlich lobenswerten Verpackungsmittelaufschrift nun zu einem positiven Ende bringen.

So stieß ich unlängst im Lebensmittel-Discounter meines Vertrauens auf ein Tütchen erlesener Süßwaren eines kleinen, aber feinen Herstellers, der sein Produkt mit der Aufschrift: „4 edle Schnäpse mit Alkohol“ versehen hatte, was ich sehr verantwortungsvoll fand. Nicht jeder Discounter-Kunde verfügt schließlich über meine Belesenheit. Da kommt vielleicht der bildungsferne Durchschnitts-Konsument grade frisch von der Entgiftung und will sich ein paar Pralinen zur Ersatzbefriedigung kaufen, und das war’s dann mit der Leber, weil der ignorante Hartzer ja schließlich nicht wissen kann, dass Schnäpse auch Alkohol enthalten!

Diese beispielhafte Form der Produktinformation wollte ich Ihnen zum Abschluss meiner Betrachtungen nicht vorenthalten. Doch nun muss ich los, Weinbrandbohnen für den Bunker kaufen.

© 2014 Bianka Tewes – Nasenspülsalz Overkill

VN:F [1.9.8_1114]

Bewertung abgeben:

Rating: 4.5/5 (6 votes cast)
Nasenspülsalz Overkill, 4.5 out of 5 based on 6 ratings

  • PDF
  • email
  • RSS
  • Add to favorites

Dieser Beitrag wurde 23377 x angesehen.


Lesen/Schauen Sie auch folgende Satiren:

Lädt...

4 Kommentare zu Nasenspülsalz Overkill

Gib einen Kommentar ab:

 

 

 

Du kannst diese HTML tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>